*|Der Stadtteilschreiber über einen Hesselnberger Schriftsteller

WOLF CHRISTIAN VON WEDEL PARLOW - EIN SCHREIBER IM STADTTEIL

Wann ist man eigentlich Schriftsteller? Laut Definition sind Schriftsteller Verfasser literarischer Texte und zählen damit zu den Autoren. Wann ist man eigentlich Autor? Laut Definition dann, wenn man auch, aber nicht nur literarische Texte verfasst, sondern z. B. auch Sachbücher wissenschaftlicher Prägung. Damit ist sonnenklar: Der am Hesselnberg lebende Wolf Christian von Wedel Parlow ist Autor.

Bis zu seinem Ruhestand hat Wolf Christian von Wedel Parlow nämlich Volkswirtschaftslehre an der Uni Wuppertal unterrichtet und im Rahmen dieser langjährigen Tätigkeit wirtschaftswissenschaftliche Werke veröffentlicht. „Literarisch habe ich da noch gar nicht geschrieben", erzählt er. Tagebuch habe er geführt. Im Jahr 2008 erschien dann ein erster Roman: „Drahomira" handelt vom Verhältnis der Tschechen und der Deutschen nach der Besetzung des Sudetenlands.

Geschichte, auch die eigene Familiengeschichte, bietet dem gebürtigen Prenzlauer reichlich Stoff für seine Texte. „Deutschlandhymnus" erscheint 2011, zwei Jahre später werden Erzählungen unter dem Titel „Laufbekanntschaften" veröffentlicht. Den ihm hier mehrfach attestierte Witz bemerkt man auch im Gespräch mit dem Autor - sei's bei einem Treffen im Literaturhaus oder bei einer Lesung, oder auch auf der Straße vor dem Haus, das er in der Iltisstraße bewohnt.

Vermutlich weniger begleitete ihn sein schelmischer Witz bei der Aufarbeitung seiner Familienerinnerungen für das Buch „Ostelbischer Adel im Nationalsozialismus" am Beispiel der Wedel. „Es ist ein zeitgeschichtlicher Beitrag", sagt er bescheiden. Jedenfalls sei es ihm ein starkes Bedürfnis, Texte, Geschichten, Bücher zu schreiben. So eben auch bei seinem ganz aktuellen Roman „Cola in Kadugli".

Der 1937 Geborene, der seit gut 20 Jahren seinen Ruhestand am oberen Waldrand des Hesselnberg genießt (und immer noch gemeinsam mit seiner Gattin joggen geht!), blickt auch hier wieder weit zurück in die deutsche Geschichte, angereichert mit - so schrieb es kürzlich Wedel Parlows Autorenkollege Matthias Dohmen in einer Rezension - „stark autobiographischen Zügen".

Die Geschichte handelt von zwei Männern und ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen; erzählt wird sie anhand von 17 „Steinen". Aber gemeint sind hier weniger die berühmten Mosaiksteine, die sich zu etwas zusammenfügen, sondern „Steine im Sinne von Wegmarken", so der Verfasser. Hm, Marken eines Lebenswegs, die Episoden aus diesem Leben markieren ... also, mit dem Bild ist Wolf Christian von Wedel Parlow deutlich mehr Schriftsteller als Autor.

Wolf Christian von Wedel Parlow, „Cola in Kadugli", Roman, Mitteldeutscher Verlag 2020, ISBN 978-3-96311-388-8, 168 S., 16 Euro

Wolf Christian von Wedel Parlow, Foto: privat

 

Cover seines neuen Romans, Foto: Jörg Degenkolb-Degerli

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Jörg Degenkolb-Değerli – Autor, Moderator und Bühnenliterat. Mit eigenartigen Einzeilern und pointierter Poetry bewegt er sich meist im Spannungsfeld zwischen „schreiend komisch" und „bitterernst". Eben Texte für Zwerchfell, Herz, Hirn und das Quartier. Für uns unterwegs als Stadtteilschreiber der Südstadt und vom Hesselnberg.

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Veröffentlicht am 15.01.2021

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