*|Der Stadtteilschreiber im Christbusch

IM WESTEN DOCH WAS NEUES

Nun neigt sich auch die 2. Staffel Stadtteilschreiberei dem Ende. In diesem überaus seltsamen Jahr 2020 bleibt festzuhalten: Nach viel Hin und Her erscheint in Kürze tatsächlich das Buch „Stadtteilgeschichten" mit den Beiträgen aus dem Jahr 2019. Als noch rundere Sache zeigt sich die persönliche Stadtteilgeschichte der Künstlerin Eilike Schlenkhoff.

Wir erinnern uns ... also, zumindest ich erinnere mich: Im Mai 2019 interviewte ich die Malerin Eilike Schlenkhoff in ihrem Atelier an der Oberbergischen Straße. Sie erzählte u. a. von ihrem morgendlichen Fußweg vom Mirker Quartier zum Hesselnberg. „Je näher ich komme, desto entspannter bin ich. Hier wird der ganze Mensch ruhig", schwärmte sie. Und dass sie sich vorstellen könne, auch hier zu leben.

Auf dem Flachdach des alten Fabrikgebäudes, in dem sich das Atelier befindet, stehend, bemerkte sie, dass sie in Richtung Westen nicht viel kenne. Das ist jetzt anders. Deutlich weiter westlich als ihr Atelier gibt es die Straße Christbusch, wo Eilike Schlenkhoff seit dem Spätsommer wohnt. Vorausgegangen waren dem Umzug zwei Überlegungen.

Erstens nervte seit vielen Monaten eine Großbaustelle vor dem Haus in der Neuen Friedrichstraße - „Die sind da immer noch nicht fertig!" -, zweitens schlug eine Freundin vor, sich einen schönen Kleingarten im Dahls-Hain e.V. zu teilen. Diese Anlage befindet sich wo? Richtig, die Oberbergische Straße hoch, links rein, also quasi noch am Hesselnberg. Der Schritt zur Wohnungssuche war nun nur noch ein kleiner.

„Alles, was ich wollte, hab' ich gefunden!", freut die Künstlerin sich heute. Vor einem ihrer Fenster liegt ihr Elberfeld zu Füßen. Zum Atelier sind es jetzt noch zehn Minuten. Das viele Grün und der Unterbarmer Friedhof begeistern sie nur noch mehr. Und der Blick zurück? „Ich vermisse die Mirke nicht", sagt sie trotz der eher großen Anonymität am Hesselnberg.

Und eines findet sie sehr auffallend: „Einige Jugendliche hier haben wirklich ganz andere Probleme als die in der Nordstadt!" Dann berichtet sie von einem kleinen Disput, dem sie kürzlich gelauscht hat. Da standen die Jugendlichen A wohl zu nah an oder auf dem Grundstück der Jugendlichen B (bzw. wohl eher dem ihrer Eltern), woraufhin die Jugendlichen B aufklärten, dass die Jugendlichen A nach dem Gesetz Bla, Paragraph Blubb, da so nicht sein dürften ... „Wirklich ganz, ganz andere Probleme", wundert sich die Zugezogene. Andererseits hätte dieser Dialog auf der Bendahler Straße oder Am Hesselnberg wohl auch nicht so stattgefunden.

Tja, Wuppertal braucht nur ganz wenig Luftlinie, um sich überaus facettenreich zu zeigen.

 

 Der neue Ausblick aufs Tal

 

Eilike Schlenkhoff: Selfie auf Hesselnberg von Fabrikdach 2

Keine gewöhnliche Gartenanlage

Fotos: Jörg Degenkolb-Degerli

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Veröffentlicht am 27.11.2020

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