*|Der Stadtteilschreiber in der Südstadt hinter den drei Türmen

LICHT, WÄRME, MENSCHLICHKEIT - WIE MAN VOR DER HAUSTÜR DEM SHUTDOWN TROTZT

„Leben ist das was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen." (John Lennon) Kürzlich fühlte ich mich spontan an dieses Zitat erinnert. Einmal mehr darüber nachdenkend, wie man die Stadtteilbewohner besser erreichen und vielleicht an einen Tisch kriegen kann, erfuhr ich nämlich von nachbarschaftlicher Quartiersarbeit jenseits der Türme.

Nicht hinter den sieben Bergen, sondern hinter den drei Türmen der Barmenia Versicherung ist auch Südstadt. Nicht die, die ich beacker', eher eine weniger dicht besiedelte und gediegenere Südstadt. Und während diesseits der Türme die Straßen auf Namen wie Hopfen, Malz und Gerste hören, betritt man jenseits den Stadtteil über die Kronprinzenallee.

Hier wohnen Danielle Bouchet und Eberhard Quaas. Die beiden nehmen regelmäßig an den Treffen im Forum Hesselnberg-Südstadt in der „börse" teil und wurden nicht zuletzt dort inspiriert, eifrig an einer Stadtteilentwicklung mitzuarbeiten. Im direkten Umfeld fanden sie interessierte Nachbarn. „Ich wollte schon immer zwanglos und ziemlich spontan, ohne Regeln und Vorschriften mich mit Nachbarn treffen", formuliert es Eberhard, „jeder kann kommen und gehen, wie es ihm gefällt und selber aktiv mitmachen."

Diese Grundidee mündete vor Corona mal zunächst in Treffen mit einigen Nachbarn in der Unikneipe. „Es war ein schönes Miteinander. Hintergrund war, die Menschen in unserer Straße und näherer Umgebung einfach kennenzulernen. Wenn Corona vorbei ist, wird der Bedarf an Kontakten und Austausch mit Nachbarn garantiert sehr groß sein." Noch sind wir aber mittendrin in Shutdown und Kontaktbeschränkungen. Danielle und Eberhard wollten aber zumindest in der Vorweihnachtszeit für etwas Licht und Wärme sorgen.

„Das war z. B. die Idee mit den Adventstreffen und nebenan.de." Die Internetplattform nebenan.de ist eben genau das digitale Pendant zum Treffen mit Menschen aus der Nachbarschaft. „Eberhard wollte die Leute dazu animieren, sich an den Adventssonntagen unter Einhaltung der Corona-Regelungen zu treffen, um doch etwas menschliche Nähe zu spüren", berichtet Danielle. Das war zunächst jedoch ernüchternd, weil niemand teilnahm.

„Es kam zwar niemand zum Treffen, aber wir haben begriffen, was wir vom Advent erwarteten: Lichter in der Nacht, Kraniche am Himmel, Menschen, die sich die leuchtenden Kerzen anschauen. Für manche mag es wenig sein, für uns war es viel.
Diese Eindrücke hätten wir gerne mit Euch geteilt." So weit, so gut, so berichtet auf nebenan.de. Und siehe da, die Berichterstattung ging nicht in den digitalen Weiten unter, sondern fand im Gegenteil viel Zuspruch - nicht zuletzt wegen der stimmungsvollen Fotos.

„Wieder mit Frau, Kerzen und Lichterketten ging ich am Samstagabend ungebrochen entschlossen zum Uellenberger Park, um dort trotz der schwierigen Situation weihnachtliche Stimmung mit Lichtinstallationen aufkommen zu lassen", lautet es in einem weiteren Bericht von Eberhard. „Wieder kamen Passanten vorbei, insbesondere eine Mutter mit Kind, das sich an den Lichtern sehr erfreute. Allein das hat sich gelohnt." Mal abgesehen davon, dass dies das Zeug zu einer echten Weihnachtsgeschichte hat, ist es doch großartig zu sehen, dass eben doch an einem guten Miteinander gearbeitet wird.

Es liegt wohl quasi auf der Hand, dass eine solche Initiative wie die von Danielle Bouchet und Eberhard Quaas in Zeiten nach Corona eine überaus positive Fortsetzung finden dürfte.

 

 

Die Skulptur im Kreisel in neuem Licht

 

Advent im Uellenberg-Park
Fotos: Danielle Bouchet und Eberhard Quaas

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Jörg Degenkolb-Değerli – Autor, Moderator und Bühnenliterat. Mit eigenartigen Einzeilern und pointierter Poetry bewegt er sich meist im Spannungsfeld zwischen „schreiend komisch" und „bitterernst". Eben Texte für Zwerchfell, Herz, Hirn und das Quartier.
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Veröffentlicht am 29.01.2021

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