*|Der Stadteilschreiber, Achim Konrad und der Hospizdienst

TABUTHEMA TOD UND TRAUER - HOSPIZDIENST IM QUARTIER

Teufelskerl, Ehrenmann, Abenteurer - ich bin anerkennende Worte durchaus gewohnt. Aber jetzt bin ich auch noch als ernstzunehmender Grenzgänger unterwegs. Ich habe sie nämlich überschritten, die Grenze zwischen Südstadt und ... dem Quartier Grifflenberg. Über eine grüne Ampel!

 

In den Monaten der Kontaktsperre hat man ja viel Schlimmes gehört, auch über dieses Sterben. Särge auf Militärfahrzeugen; einsames Sterben aufgrund von Besuchsverboten; Trauerfeiern und Bestattungen mit stark begrenzter Teilnehmerzahl. Vielleicht hat es ja manch einen gepackt, um sich mal über das eigene Sterben Gedanken zu machen. Das lässt sich ja nun mal (leider?) nicht wegdiskutieren.

Ich wusste jedenfalls bis kürzlich nicht, dass ich jemanden kenne, der für ein Hospiz arbeitet. Diplom-Sozialarbeiter Achim Konrad war mir nämlich bislang weniger als Sozialarbeiter, sondern vielmehr als Künstler im Bereich Electronic & Sound bekannt - außerdem leiht er meinem Künstlerkollegen Hank und mir alle zwei Wochen ein Aufnahmegerät ... aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Achim Konrad war in seinem Beruf vor allem im Jugendbereich tätig, z. B. in der Jugendschutzstelle, in einer Wohngruppe für junge Geflüchtete, oder auch beim Kinderschutzbund. Und nun: Für den Hospizdienst „Die Pusteblume" an der Blankstraße 5/Ecke Augustastraße. Meine etwas blauäugige Frage „Also weg von jugendlicher Lebendigkeit, hin zur Sterbebegleitung? Warum?" beantwortet er souverän: „Auch hier geht es um Leben. Um gutes Leben!"

Um eine Ausnahmesituation ging es bei ihm zum Dienstantritt. Der neue „Koordinator NachbarschaftsNetzwerk Südstadt" hatte den Starttermin 1. April - und damit direkt am ersten Tag Corona-bedingten Aufenthalt im Home Office. Seine offizielle Jobbezeichnung lautet übrigens Hospizkoordinator, jedoch: „Ich bin da definitiv noch im Aufbau." Schließlich ist es ein sensibler Bereich, für den man eben sensibilisiert werden muss.

Wir reden über Sterben, Tod und Trauer. Und weil es ja irgendwie Tabuthema ist, fast schon ein wenig trotzig. Ich könnte in einem Bewerbungsgespräch mit gutem Gewissen behaupten: „Ich habe mich immer schon für den Tod interessiert." Weil es stimmt. Als Stadtteilschreiber interessiere ich mich aber vor allem dafür, inwieweit so ein Hospizdienst im Quartier ins Gewicht fällt. Oder im ganz aktuellen Sprech: Ist ein Hospizdienst stadtteilsystemrelevant?

Und hier kommt noch mal deutlich mehr Schwung ins Gespräch! Denn über den eigentlichen Dienst hinaus, ist man sich in der „Pusteblume" einig, dass die Sterbebegleitung ein gesellschaftliches Thema ist, das alle angeht. Heißt: Auch in diesem Bereich ein nachbarschaftliches Netzwerk aufzubauen, ist unerlässlich. Oder wie Achim es formuliert: „Wir sind ja nur die gesellschaftliche Krücke eines Tabuthemas." Er sieht ganz klar einen Brückenschlag in Richtung Quartiersarbeit - und wird mich ab jetzt natürlich nicht mehr los.

Was Achim Konrad und dem Hospizdienst vor diesem Hintergrund zu Stadtteil- und Nachbarschaftsarbeit alles so vorschwebt, und was man über das Sterben und das Begleiten des letzten Lebensabschnitts alles in ein Mikrophon sagen kann und vielleicht muss, das holen wir bald nach! Meine Einladung zu einem öffentlichen Gespräch zu diesen hochspannenden Themen steht. Also: In Kürze mehr ...

 

Foto: Jörg Degenkolb-Degerli 


 

 

 Foto © Bettina Beutel | Hospizdienst „Die Pusteblume"

 

 

Euch fällt was Berichtenswertes ein? Dann eine E-Mail an stadtteilschreiber@dieboerse-wtal.de!

 

 

 

 

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Veröffentlicht am 12.06.2020

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