*|WOHNST DU NOCH ODER LEBST DU SCHON?

WOHNST DU NOCH ODER LEBST DU SCHON?

Stadtteilschreiber Jörg Degenkolb-Degerli hat eine Südstadtbewohnerin getroffen und interviewt. Sie hat ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Quartier.

Lebensqualität ist ein dehnbarer Begriff - das wissen wir nicht erst seit dem Slogan eines schwedischen Möbelhauses. Entsprechend subjektiv blickt auch Andrea Zenker auf das Thema. Sie lebt seit fünf Jahren mit ihrer Familie mitten im Stadtteil Südstadt, oberhalb des Hauptbahnhofs.

„Die Zentralität ist super", sagt sie. „Die Nähe zum Bahnhof, zur Innenstadt." - Ist das Quartier also attraktiv, weil man schnell dort wegkommt??

„Ich würde schon sagen, wir wohnen da, leben aber woanders." Sie habe das Gefühl, dass in ihrem Umfeld viele Menschen sehr isoliert seien; man spüre keine Gemeinschaft. „Wir Bewohner leben hier auf engem Raum, kennen uns aber nicht. Man ist sich trotz der räumlichen Nähe völlig fremd. Vielleicht liegt es daran, dass es keinen gemeinsamen Anlaufpunkt gibt."

Wenn Andrea Zenker mal zu Fuß im Viertel unterwegs ist, dann auf ihrem Weg zum Bäcker oder zum Supermarkt - oder eben talwärts Richtung City.

„Das war schon auch problematisch, als unser Sohn noch kleiner war. Kein Park in der Nähe, nichts. Ein bisschen Grün findet man hier oben nur in der Hospitalstraße." Und andere Menschen kennengelernt hat die Familie dann letztlich über die Grundschule und die Jobs. „Aber Freunde und Bekannte leben ja nicht zwangsläufig in unmittelbarer Nähe."

Ihr Sohn nörgele, hier wohnten einfach viele alte verbitterte Leute, was sie selbst so nicht sagen kann: „Die älteren Nachbarn sind die, die überhaupt grüßen und mit denen man mal töttern kann."

Nun gehört Andrea Zenker aber offensichtlich auch nicht zu den Menschen, die nur moppern wollen; sie blickt konstruktiv - und auch unkonventionell - auf das Ganze: „Rausfinden, wer denn eigentlich so hier mit einem zusammenlebt, könnte man ja zum Beispiel mit einem Stadtteilfest. Was ist mit Familie Albrecht? Der ALDI-Markt hat ein riesiges Flachdach, das man mal bespielen könnte", scherzt sie und ergänzt: „Der Grundschulhof käme doch dafür in Frage. Und dann gibt es doch auch diese super - ich nenn es mal - grüne Enklave am Böhler Weg. Da sind die Wasserfreunde und die Pfadfinder. Oder den Uellenberg-Park an der Dürerstraße." Außerdem wäre eine Stadtteilzeitung toll, meint sie.

Den Hinweis auf das „Forum Hesselnberg-Südstadt", bei dem man sich einmal im Monat konstruktiv einbringen kann, nahm sie dementsprechend erfreut zur Kenntnis (siehe Projekt-Ticker).

Und eine weitere gute Nachricht gab es noch obendrauf:
Am 26.5. gibt es in und an der „börse" ein großes Nachbarschaftsfest mit Flohmarkt, Bühnenprogramm u.v.m. An diesem Sonntag der Europawahl heißt es dann an der Wolkenburg „Europäisch denken und lokal feiern", denn gute Nachbarschaft verbindet im Großen wie im Kleinen!

 

 

Foto: Bewohnerin Andrea Zenker und Stadtteilschreiber Jörg Degenkolb-Degerli

+++ Projekt-Ticker +++ Der Menschenrechte-Chor Sing Human Rights ist fleißig mit Proben beschäftigt und bereitet sich auf die Premiere am 28.4. um 18 Uhr im Roten Salon der „börse" vor. Erste Hörproben von sowohl einer Eigenkomposition der Chorleiterin Anna Luca Mohrhenn als auch eines afroamerikanischen Civil Rights Songs machten bereits überaus neugierig! +++

+++ Projekt-Ticker +++ Gerade gestartet! Die Film- und Fotowerkstatt aus der Reihe „Lebe dein Quartier!" unter der Leitung von Filmemacher Michael Baudenbacher blickt durchs Okular direkt ins Viertel. Mitarbeiter des Stadtteil-Service nehmen die Nachbarschaft ins Visier. Gemeinsam entsteht ein Film und es werden Fotos vom Leben im Viertel gemacht. Interessierte Erwerbslose können noch einsteigen! Info & Anmeldung: Tel 243 2212, E-Mail: d.beilmann@dieboerse-wtal.de. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Ebenfalls in der Reihe „Lebe dein Quartier!" starten Anfang Mai der Workshop „Rappen" für Kinder ab 8 Jahren (7.5.) und die Textilwerkstatt (8.5.). Info & Anmeldung: Tel 243 2212, E-Mail: d.beilmann@dieboerse-wtal.de. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Im Rahmen der „DemokratieWerkstatt" empfängt am 10.4. um 17 Uhr das „Forum Hesselnberg-Südstadt" wieder alle interessierten Bewohner, Aktiven und Mitmacher von innerstädtischen Beteiligungsprozessen in der „börse". Die „DemokratieWerkstatt" hat das Ziel, der Wahrnehmung „Es ist ja eh egal, was ich sage" erlebbar entgegenzuwirken.

 

Das Projekt wird gefördert von

 

 

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Veröffentlicht am 05.04.2019

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