*|Die Stadteilschreiberin kommt!

Hurra, die Stadtteilschreiberin ist da! Die Journalistin Nicole Bolz tritt dem Stadtteilschreiber Jörg Degenkolb-Degerli mal zur Seite, mal gegenüber und schaut sich mit ihrem ganz eigenen Blick nach dem Leben in der Südstadt und am Hesselnberg um.

AB IN DEN SÜDEN!

Ferienzeit – Reisezeit. Und im Herbst zieht es mich in den Süden. Corona-bedingt allerdings nur aus der Nord- in die Südstadt. Doch wer genau hinsieht, entdeckt auch hier ein wenig südländisches Flair und Dolce Vita.

Es ist Mitte Oktober und zumindest hier im Norden der Stadt ziemlich ungemütlich. Da kommt der Ruf der börse gerade recht, mich doch auch mal auf der anderen Seite der Schwebebahn umzusehen, um dem Lebensgefühl am Hesselnberg und in der Südstadt auf die Schliche zu kommen. „Wie? Was? Wer ist die denn überhaupt? Hier schreibt doch sonst dieser ..., ähm, na dieser ... Dings, der Degenkolb", höre ich Sie schon unken. Ja doch, machen Sie sich bitte keine Sorgen, ich habe den geschätzten Kollegen Jörg Degenkolb-Degerli nicht weggemobbt. Er bleibt hier selbstverständlich in Amt und Würden. Er bekommt ab jetzt nur ein wenig Verstärkung. Ein Mann allein kann schließlich nicht überall sein und Frauen, so sagt man ja, haben ihre Augen und Ohren ja überall.

An einem grauen und äußerst kühlen Oktobertag wage ich mich also runter vom Ölberg und stapfe neugierig gen Süden. Wollen wir doch mal sehen, was das Leben hier so kann, denke ich und beginne meine Erkundungstour an der Weststraße. Zwischen Metzgerei, Bäckerei, Apotheke und Kneipe säumen 50er Jahre-Häuser den Weg. Hellgrün, blassrosa, hellgelb sind sie, auch die Namen auf den Klingelschildern sind bunt und erzählen von Menschen aus aller Welt, die hier leben. Und doch wirkt es ein wenig trostlos an diesem Mittag. Kaum Menschen auf den Straßen. Hier lehnt ein Mann im Blaumann an einem Straßenschild, zieht an seiner Zigarette und telefoniert. Ein paar Autos biegen um die Ecke, ein Junge im T-Shirt zerrt an seinem Hund, der aber lieber an einem Stromkasten schnuppert als weiterzugehen. Als ich einen Schritt auf ihn zu mache (den Jungen, nicht den Hund), um ein wenig mit ihm über das Lebensgefühl hier zu sprechen, winkt er ab: „Keine Zeit."

Hm, ist das also der sonnige und lebendige Süden? Ich laufe weiter auf der Mainzer Straße. Die Bürgersteige werden etwas breiter, die Häuser auch, haben sogar zum Teil kleine Vorgärten oder eher Beete und Sträucher. Ein Mann fegt Laub, ein anderer bastelt an seinem Auto. Schilder warnen vor Dachlawinen. Ansonsten Stille. Ich fühle mich beinahe wie ein Eindringling in dieser sauber geordneten Welt. Dann wird mir plötzlich alles klar: Es ist ja Mittagszeit – und was macht man da im Süden? Natürlich, Siesta. Als mir das klar ist, verändert sich mein Blick. Überall entdecke ich plötzlich charmante, kleine Anzeichen von südländischem Leben: bunte Tücher, die vor den Fenstern hängen, ein hellblauer Motorroller, Hunde, die aus dem Fenster schauen, Grashüpfer, die ihren Mittagsschlaf auf der Zigarettenwerbung vor einem Kiosk halten und Öffnungszeiten, die mehr Dolce Vita als deutschen Arbeitswahn vermuten lassen. Herrlich! Ich bin mir sicher, hier lässt es sich leben.

Beschwingt lasse ich mich einfach weiter treiben und merke kaum, wie sich die Umgebung langsam wieder verändert. Die Häuser werden weniger, die Bäume und freie Flächen mehr. Es geht bergauf und ich steuer auf ein kleines Wäldchen zu. Auf dem Kopf gibt es einen kleinen Spielplatz und einen hübschen Blick talabwärts. Ist das wohl der Klophauspark, frage ich mich, während über mir die Vögel zwitschern, ein Rasenmäher aus der Ferne jault und ein junges Pärchen auf einer Bank knutscht. Nur spielende Kinder sehe und höre ich nicht. Wahrscheinlich halten auch die ihren Mittagsschlaf. Voller neuer und spannender Eindrücke steige ich die Treppen hinab zur Wolkenburg. Ich komme wieder – versprochen! Und dann will ich von euch wissen, wie es sich hier lebt.

Fotos: Nicole Bolz

Nicole Bolz - Journalistin, Wuppertalerin. Immer neugierig, oft kritisch. Fragemonster und Buchstabendompteuse. Anzutreffen bergauf und bergab im schönsten Tal an der Wupper.

 +++Projekt-Ticker+++ Am 18.10. startet der Escape Room "Die Drei Türen", den das freie Looters-Theaterensemble in der börse eingerichtet hat. 2 bis 4 Spieler*innen haben eine Stunde Zeit, die Geheimnisse des Backstage-Bereichs der börse zu lüften und den Ausgang zu finden. Anmeldungen unter: escape@dieboerse-wtal.de. Kosten: je nach Teamgröße 15/20/25 Euro/Person. WeitereTermine gibt es am 19.10. und 7.11.+++Projekt-Ticker+++
+++Projekt-Ticker+++ Am 28.10. trifft sich das Forum Hesselnberg-Südstadt um 17:30 Uhr in der börse. +++Projekt-Ticker+++

 Das Projekt "Stadtteilschreiber" wird

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Veröffentlicht am 15.10.2020

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