*|Die Stadtteilschreiberin beim Bürgerverein Elberfelder Südstadt

Hurra, die Stadtteilschreiberin ist da! Die Journalistin Nicole Bolz tritt dem Stadtteilschreiber Jörg Degenkolb-Degerli mal zur Seite, mal gegenüber und schaut sich mit ihrem ganz eigenen Blick nach dem Leben in der Südstadt und am Hesselnberg um.

VON BRUNNEN, DENKMÄLERN UND EINEM LANG ERSEHNTEN AUFZUG

Seit 1907 engagiert sich der Bürgerverein Elberfelder Südstadt für das Quartier.

Wenn es ein Thema gibt, mit dem die Elberfelder Südstadt seit Jahren in den Medien vertreten ist, dann ist es wohl der Kampf um einen Aufzug vom Bahnhof zur Distelbeck. Motor dieses Engagements ist der Bürgerverein Südstadt, der sich unermüdlich für den barrierefreien Zugang zum Quartier einsetzt. Dabei könnte das Credo des mehr als 100-jährigen Vereins lauten: verschönern und erhalten.

Begonnen hat die Geschichte des Bürgervereins 1907. „Die Gründungsversammlung fand im damaligen Restaurant Sandhof statt", erzählt Ralph Hagemeyer, seit zwölf Jahren Vorsitzender des Bürgervereins. „Das befand sich gegenüber dem noch heute bestehenden ,Husar'. Mitglieder waren zunächst nur Bewohner der äußeren Südstadt, damals ein Erholungsgebiet der Elberfelder mit relativ dünner Besiedlung." Erklärte Ziele, so Hagemeyer, seien bis heute die Hilfestellung für Mitglieder bei allgemeinen Wünschen rund um ihren Stadtteil, Auskunft für Bürger zu aktuellen Vorgängen vor Ort sowie bei heimatkundlichen Fragen. So hieß es bereits bei der Gründungsversammlung, dass „die Wahrnehmung der Bezirksanliegen für einen Einzelnen häufig unmöglich sei, da sie mit Widerwärtigkeiten, auch Anfeindungen, verknüpft sei. Andererseits sei insbesondere auch der Stadt am besten gedient durch die Meinungsbildung in Bürgervereinen." So kümmerte sich der Verein in den Anfangsjahren im Interesse der Anwohner etwa darum, dass die Stadt auf der Augusta- und der Jägerhofstraße sowie auf dem Grifflenberg Gaslaternen aufstellte.

„Die vom Bürgerverein gestiftete Statue des Wanderers am Sandhof erinnert heute an den Ursprung der äußeren Südstadt als Erholungsgebiet und mahnt zur Bewegung in freier Natur. Hieran anknüpfend, haben wir 2010 im Freudenberger Wald - mit Mitteln einer großen Versicherungsgesellschaft der Südstadt - einen zwei Kilometer langen Fitnessparcours errichten lassen", berichtet Hagemeyer, der sich insgesamt schon 35 Jahre im Vorstand des Bürgervereins engagiert. „Wir setzen uns für Blumenanpflanzungen, Sitzbänke in Parkanlagen sowie Sicherheit der Fußgänger ein. Auch mit Schutz und Restaurierung historischer Denkmäler, Skulpturen und Brunnen befassen wir uns. Einen öffentlichen Wandbrunnen an der Kölner Straße von 1914 haben wir mit Spendengeldern restaurieren lassen."

Knapp 2010 Mitglieder zählt der Bürgerverein aktuell. In Hochzeiten waren es bis zu 250. Das war zwischen 2014 und 2018 als Wuppertal über den Bau einer Seilbahn vom Bahnhof zur Uni diskutierte. „In dem Kontext sind viele eingetreten, die sich von uns eine klare Positionierung zu dem Thema erhofft hatten", erklärt Hagemeyer. „Egal ob dafür oder dagegen." Doch man hatte sich zur Neutralität entschieden.

Obwohl die Busanbindung durch die nahegelegene Uni sehr komfortabel ist, sind es dennoch die Verkehrsthemen, die den Verein aktuell beschäftigen. Zum einen ist da die angespannte Parksituation in der Cäcilienstraße. Hier haben sich Anwohner hilfesuchend an den Verein gewandt, der sich nun bemüht, die Interessen der Anwohner gegenüber der Stadt zu vertreten. Und dann ist da natürlich die Sache mit dem Aufzug. „Ein Trauerspiel", wie Hagemeyer findet. Bereits unter Oberbürgermeister Peter Jung habe man 2011 einen Bürgerantrag formuliert, dass man erst einmal die Kosten eines solchen Personenaufzugs von Gleis 4/5 des Hauptbahnhofs zur Distelbeck prüfen möge. 2013 schließlich beschloss der Hauptausschuss, diese Kosten zu ermitteln und diesen für ein Förderprogramm anzumelden. „Trotz zahlreicher Sitzungen mit ranghohen Stadtvertretern sowie Vertretern der Deutschen Bahn gibt es bis heute leider keinen wirklichen Fortschritt in der Angelegenheit" ärgert sich Hagemeyer. Immerhin habe die Bahn in Gesprächen mit dem damaligen OB Andreas Mucke aber wohl zugesichert, „die Anbindung der Südstadt über einen neuen Aufzug in ihrer Verantwortung zu prüfen", wie es in einer Pressemitteilung der Stadt Wuppertal von 2019 heißt. Bis 2022/23 sollen die Prüfungen über finanzielle Kosten abgeschlossen sein. Hagemeyer setzt jetzt auf den neuen Oberbürgermeister Uwe Schneidwind, das Problem anzugehen. „Gerade für ältere Menschen beispielsweise mit Koffern, für behinderte Menschen mit Rollstuhl oder Rollator, aber auch für Mütter mit Kinderwagen wäre dies eine große Verbesserung. Ihnen ist es eigentlich unmöglich, auf direktem Weg zum Bahnhof zu gelangen. Es ist eigentlich nicht zu begreifen, dass hier so wenig passiert."

Anfang Februar gab es jetzt endlich positive Nachrichten zum lang ersehnten Aufzug: Er soll tatsächlich gebaut werden. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hat die Verwaltung nach Angaben der SPD in die politischen Beratungen eingebracht. Markus Stockschläder, SPD-Stadtverordneter für die Elberfelder Südstadt: „Wir freuen uns, dass die langjährige Forderung, für die sich unter anderem auch der Bürgerverein Elberfelder Südstadt mit Nachdruck eingesetzt hat, nun realisiert werden soll. Die bisherige Anbindung Hauptbahnhof und Südstadt ist ein Konstrukt des letzten Jahrhunderts. Eine Ertüchtigung dieser Verbindung hin zu einem barrierearmen oder gar barriefreien Verbindungsweg ist wegen der Höhenunterschiede nicht möglich. Auch das Thema Unterhaltungskosten eines Aufzuges von Gleis 4/5 des Hauptbahnhofes zur Südstadt ist eingeplant. Wir erwarten, dass jetzt der Zeitplan zur Anbindung der drei angrenzenden Quartiere, in denen gut 26.000 Menschen leben, zügig konkretisiert werden kann."

Mehr Infos und Kontakt zum Bürgerverein Elberfelder Südstadt finden Sie hier: www.buergerverein-elberfelder-suedstadt.de

Der Beitrag wurde an einigen Stellen überarbeitet.
Die Redaktion

 

Ein wichtiges Thema des Bürgervereins: Denkmalpflege

Der restaurierte Wandbrunnen von 1914 bei Nacht

Seit 12 Jahren Vorsitzender des Bürgervereins: Ralph Hagemeyer

Eon zentrales Anliegen des Bürgervereins: ein Aufzug vom Hbf zur Distelbeck

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Nicole Bolz - Journalistin, Wuppertalerin. Immer neugierig, oft kritisch. Fragemonster und Buchstabendompteuse. Anzutreffen bergauf und bergab im schönsten Tal an der Wupper.


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Veröffentlicht am 22.01.2021

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