*|Die Stadtteilschreiberin am Quga-Bauwagen

Hurra, die Stadtteilschreiberin ist da! Die Journalistin Nicole Bolz tritt dem Stadtteilschreiber Jörg Degenkolb-Degerli mal zur Seite, mal gegenüber und schaut sich mit ihrem ganz eigenen Blick nach dem Leben in der Südstadt und am Hesselnberg um.

Senkgarten, Kleingärten, Arboretum und Permakultur: Die Quartiersgartenschau (QUGA) macht Station in der Südstadt

In Vorbereitung auf die Bundesgartenschau 2031 richtet die QUGA ihren Blick jedes Jahr in ein anderes Quartier in Wuppertal. In diesem Jahr steht der Info-Bauwagen am Uellenbergplatz in der oberen Südstadt. Da gibt es viel zu entdecken.

Ein Sonntagvormittag Anfang Juli. Ich schlendere durch die Südstadt, meine Hood, bin auf Entdeckungstour. Diesmal habe ich mir den Bereich zwischen Blankstraße und Kronprinzenallee ausgeguckt. Noch ist es ruhig, nur vereinzelt sind Menschen unterwegs. Hier Vater und Sohn mit Fahrrad, dort eine ältere Dame mit Dackel. Während ich mich ächzend die Augustastraße hinauf bewege, schiebt sich die Sonne immer mehr durch die Wolken – es wird warm. Wie schön es wäre, wenn es hier jetzt ein bisschen Grün gäbe, denke ich so bei mir und entdecke links vor mir tatsächlich etwas, das aussieht wie ein kleiner Park. Ich biege ab in die Dürerstraße und stehe schon fast auf einer Wiese. Noch bevor ich den Blick über die Anlage schweifen lasse, erweckt ein kleiner Bauwagen meine Aufmerksamkeit. Blätter in verschiedenen Grüntönen zieren seine Fassade, eine Fahne weht darüber: QUGA steht darauf. „QUGA – wasn das?", frage ich mich und trete näher. Schautafeln machen mich schlauer, auch ein Flyer hängt auf der anderen Seite.

„Die QUGA ist eine Initiative des Fördervereins Historische Parkanlagen Wuppertal und des Stadtverbandes der Bürger- und Bezirksvereine Wuppertal, unterstützt vom Ressort Grünflächen und Forsten der Stadt Wuppertal und dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen", erfahre ich. Darüber, was diese Initiative genau tut, spreche ich mit Antonina Dinnebier. Die Landschaftsplanerin ist Beisitzerin im Förderverein Historische Parkanlage und Mit-Initiatorin des Projekts QUGA. Als ich ihr von meiner spontanen Entdeckung, dem Uellenbergplatz, erzähle, ist sie begeistert. „Genau das tun wir alle doch viel zu wenig – sich durch die eigene Stadt treiben lassen wie Touristen. Viele kennen die Straßen und Plätze auf Mallorca wahrscheinlich besser als die in ihrer eigenen Stadt. Denn hier bewegen wir uns meist nur auf unseren gewohnten Bahnen: gehen vom Haus zum Auto oder Bus, zum Supermarkt oder auf direktem Weg zu unserem Ziel. Dabei gibt es in Wuppertal so viel zu entdecken, vor allem kleine Parkanlagen und Grünflächen", schwärmt sie. Und das soll die QUGA – also die Quartiersgartenschau – ändern.

„Der Name ist natürlich in Anlehnung an die angedachte Bundesgartenschau 2031 gewählt", erklärt Antonia Dinnebier. „Wir wollen vorab den Blick der Wuppertaler auf die bestehenden Grünanlagen vor ihrer Haustür lenken. Nach Ronsdorf und Unterbarmen sind wir in diesem Jahr in der Elberfelder Südstadt zu Gast. Hier machen wir auf öffentliche Parks und private Gärten, Wälder und Besonderheiten im Quartier aufmerksam." Der Bauwagen, den die Mitarbeiter von Proviel liebevoll und aufwändig umgestaltet haben, dient dabei als Info-Point. Er steht seit Mai und voraussichtlich bis in den späten Herbst am Uellenbergplatz. Draußen am Wagen locken Schilder mit Bildern und Texten in die schönsten Parks der Südstadt, drinnen laden Bänke und Tische zum Verweilen ein. Wenn er denn geöffnet ist. „Wir können leider nicht regelmäßig persönlich vor Ort sein", sagt Dinnebier, „aber mit Glück trifft man uns auch hie und da am Wagen an." Klophauspark, Barmeniapark, Von der Heydt-Park, Station Natur und Umwelt, das Uni-Arboretum oder der Permakulturhof Vorm Eichholz bilden einige der Highlights. „Es gibt in der Südstadt wirklich wunderschöne kleine Parks und Grünflächen, oft mitten in den Wohngebieten", beschreibt Antonia Dinnebier das Besondere daran. „Das ist eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts und bietet heute noch eine hohe Qualität für die Anwohner. Wir nehmen es nur oft gar nicht so wahr."

Ich kann das bestätigen. Nachdem ich mich am Bauwagen schlaugemacht habe über die Besonderheiten des Senkgarten hier am Uellenbergplatz, sehe ich ihn mir mal genauer an. Auf zwei Ebenen lädt diese Anlage zum Verweilen ein. Sowohl oben wie auch fünf Stufen darunter säumen zahlreiche Bänke den Rasen, auf dessen Mitte eine wunderschöne Esskastanie steht. Sie blüht gerade und verströmt einen besonders intensiven Duft. Als ich näherkomme, höre ich ein lautes Brummen aus den dichten Blättern und Blüten – der Baum ist voll mit Bienen. Sie scheinen diese Blüten zu lieben. Ich setze mich auf eine der Bänke, lausche dem monotonen Bienensummen, blicke in das üppige Grün – und entspanne mich. Eine kleine grüne Oase mitten im Wohngebiet. Ein wahrer Schatz!

Für diesmal habe ich genug entdeckt und erfahren. Das nächste Mal knöpfe ich mir eine der anderen Anlagen vor, die im Flyer (gibt's am Bauwagen) eingezeichnet sind. Antonia Dinnebier empfiehlt unter anderem den K-Weg, einen Weg, der durch die verschiedenen Kleingartenanlagen in der Südstadt führt. Doch auch der private, aber öffentlich zugängliche Park der Barmenia sowie das Arboretum und der Permakulturhof seien echte Besonderheiten im Quartier. Im Spätsommer sind auch Führungen angedacht, wenn Corona dies zulässt.

Infos zur QUGA sowie den Flyer als Download gibt's unter:
http://www.wuppertals-gruene-anlagen.de

 

Der Quga-Info-Bauwagen

Landschaftsplanerin Antonia Dinnebier

Esskastanie am Uellenbergplatz

Genügend Bänke zum Verweilen

Fotos: Nicole Bolz / Antonia Dinnebier

 

Nicole Bolz - Journalistin, Wuppertalerin. Immer neugierig, oft kritisch. Fragemonster und Buchstabendompteuse. Anzutreffen bergauf und bergab im schönsten Tal an der Wupper.

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Veröffentlicht am 05.07.2021

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