*|Der Stadtteilschreiber integriert sich

CAKAL-RASCH UND DEGENKOLB-DEGERLI: BINATIONALE NAMEN IM GESPRÄCH ÜBER INTEGRATION

Kürzlich beim Redaktionstreffen in der „börse": Vor dem Hintergrund der Premiere von „Lange Schatten unserer Mütter" diskutieren wir das Thema Zuwanderung und Integration. Es fällt der denkwürdige Satz: „Natürlich ist die Südstadt Einwanderungsland!" Ich nehme diese Worte mit in die Sommerpause und beschließe, mal sensibel und vermehrt darauf zu achten, ob und wie mir das im Alltag bewusst wird.

Nun gibt es natürlich komische Vertreter, die meinen „Da musste nur mal nach Barmen rüber" - ich aber fahre viel weiter gen Osten, bis auf einen Campingplatz nördlich von Rostock. Größtenteils von ostdeutschen Touristen umgeben - sehr eindeutig am Dialekt erkennbar - fühle ich mich schnell wie Asterix bei den Sachsen. Aha! Da ist dieses Gefühl. Bei der Sprache fängt es an! Immer.

Nun haben wir alle es ja oft und gerne einfach und bequem. Da liegt Pauschalisieren sehr nahe. Die Ossis. Die Touris. Die Flüchtlinge. Gemeinsamer Background hängt aber nicht zwangsläufig mit Gemeinsamkeit zusammen. Der Sachse muss den Thüringer nicht mögen, ich, der Tourist, nicht den Sachsen usw. Ähnlich formuliert dies auch Arlin Cakal-Rasch, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums (KI) im „Haus der Integration", das sich zufällig vor der Haustür der „börse" befindet.

Ich besuche Arlin Cakal-Rasch nämlich an ihrem Arbeitsplatz. Im Gespräch zum Thema Integration erzähle ich ihr von meiner Begegnung mit Mehdi Sh. aus dem Iran, der nicht sehr wohlwollend auf die vielen Zuwanderer in seinem Wohnblock blickt. Ich ergänze dies um Erfahrungen, die ich als Dozent in Sprachkursen mit bis zu zwölf unterschiedlichen Nationalitäten gemacht habe: Da mögen - beispielsweise! - Türken keine Afrikaner, Russen rümpfen die Nase bei Syrern, dafür haben Tamilen keinen Bock auf Chinesen. Ich mache da keine Unterschiede: Mir gehen damit alle gleichermaßen auf den Keks.

„Dabei ist das ja einfach nur menschlich", so Arlin Cakal-Rasch. „Nur weil man als gemeinsames Thema die Migration hat, heißt das ja nicht, dass man sich mögen muss." Stimmt. Nur weil die Gemeinsamkeit Menschsein ist, bedeutet das leider nicht Frieden. WIE umfangreich das Thema Integration ist, erläutert die KI-Leiterin am Beispiel „Haus der Integration", wo sich 230 Mitarbeiter unter einem Dach damit befassen; 70 davon allein im Kommunalen Integrationszentrum.

Wichtig dabei: Integration betrifft nicht nur Neuankömmlinge! „Was ist mit denen, die schon länger in Wuppertal leben?", betont Arlin Cakal-Rasch und beschreibt in der Folge den teils langen Integrationsprozess. „Wann bin ich denn integriert? Natürlich fängt alles bei der Sprache an. (Jawohl! Anm. d. Red.) Dann geht es um Unterbringung, oft um Asyl, um Geldleistungen. Alles logisch. Aber integriert bin ich doch erst, wenn ich mich zugehörig fühle. Wenn ich teilnehmen darf. Mitentscheiden darf. Wenn ich mitgestalten kann. Das eine ist die Pflicht. Das andere die Kür. Und die geschieht in den Quartieren!"

Deshalb fördert das KI auch quartierbezogene Projektarbeit über die Integrationspauschale des Bundes. „Die Grundidee unseres Hauses ist eine bedarfsorientiert aufgebaute Integration. Dazu benötigt man Ressourcen! Ohne geht es nicht!" Also: Breit aufgestelltes Team: Check. Finanzielle Ressourcen: Check. Was aber bedeutet das konkret für die Quartiere? Auch vor dem Hintergrund, dass die Zuwanderung nach Wuppertal weiterhin steigend ist. Da verweist Arlin Cakal-Rasch auf ihren Kollegen Sebastian Goecke. Der integriert sich aber gerade in einen Urlaubsort, sodass ich mich da erst nach Rückkehr weiter vorarbeiten werde ...

Am 13.9. allerdings habe ich, haben alle die Gelegenheit, mehr über dieses große Thema und das „Haus der Integration" zu erfahren. Im Rahmen von „Wuppertal 24h live" öffnet sich das Haus - am frühen Abend sitzen dann zudem u. a. Arlin Cakal-Rasch und Jobcenter-Leiter Thomas Lenz auf dem Podium.

 

 

Aufführungen "Lange Schatten unserer Mütter"

CAKAL-RASCH UND DEGENKOLB-DEGERLI

 

+++ Projekt-Ticker +++ Am 12.9. geht um 17 Uhr das Forum Hesselnberg-Südstadt in die nächste Gesprächsrunde. Einmal im Monat treffen sich hier Interessierte in der „börse", um sich mit den Nachbarn über Tops und Flops, Bedarfe und Ideen im und für das eigene Viertel auszutauschen, quartierbezogene Projekte zu planen und gemeinsam umzusetzen. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Die erfolgreiche Premiere war im April, die nächste Aufführung mit neuem Programm ist für den Dezember geplant! Deshalb probt ab 2.9. wieder der Menschenrechte-Chor regelmäßig montags ab 19:30 Uhr in der „börse". Zusätzlich finden dort drei Wochenend-Workshops statt: Am 14.+15. sowie am 20.+21.9., außerdem am 30.11.+1.12. jeweils von 14 bis 19 Uhr (Anmeldung nötig!). Mit seiner Leiterin, der Wuppertaler Sängerin und Komponistin Anna Luca Mohrhenn, erarbeitet der Chor musikalische Arrangements zu den Menschenrechtsartikeln sowie Civil Rights Songs und andere, thematisch passende Stücke. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Zwei weitere Touren finden jetzt im Rahmen von „Landpartie per Rad" statt: Am 1.9. geht es zur Solidarischen Landwirtschaft in Mettmann; am 14.9. zur Baumwollspinnerei (Museum) Ermen und Engels in Engelskirchen. Unter dem Titel „Anders leben mit Kultur" widmet sich die Landpartie besonderen Orten inklusive kleinem Rahmenprogramm. +++

Euch fällt was Berichtenswertes ein? Dann eine E-Mail an stadtteilschreiber@dieboerse-wtal.de!

 

Fotos: Jörg Degenkolb-Degerli

Das Projekt "Stadtteilschreiber" wird gefördert von

 

 

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Veröffentlicht am 30.08.2019

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