*|Der Stadtteilschreiber im Gewerbegebiet

ZWISCHENSTOPP - DAS QUARTIER ALS FIRMENSTANDORT

Kehrwoche, sagt man im Schwäbischen, und gemeint ist die geregelte Reinigung von Treppen, Hausflur usw. Heute Morgen werde ich Zeuge, wie bei schönstem Sonnenschein Haustüren in der Südstadt aufgerissen werden, um Putzeimer in Gullys zu entleeren und einen Hauch von Frühling ins Haus zu lassen. Da wird gefeudelt und gewrungen, dass die Schwarte kracht. Der irgendwie lustige Begriff Kehrwoche fällt mir dazu ein (und dass es genau genommen im Schwäbischen nichts gibt, was nicht irgendwie luschtig ischt).

Nun denn, her gerauscht bin ich nicht, um anderen Leuten bei der Arbeit zuzugucken, sondern im Grunde für das Gegenteil. Zugucken geht nämlich nicht, schwärmen die Mitarbeiter der Firma Ottenbruch und Nölle bereits früh morgens aus in Richtung Baustelle(n), handelt es sich schließlich um einen Installationsbetrieb für Sanitär und Heizung; seit zwei Jahren ansässig in der Hospitalstraße und damit mitten im Wohnquartier.

„Von der Parkplatzsituation abgesehen, ist es hier ziemlich optimal", sagt die eine Hälfte Namensgeber, Thomas Ottenbruch. Im Jahr 2000 machte er sich mit der zweiten Hälfte Namensgeber, Stefan Nölle, selbstständig. Damals waren Büro und Lager in einem Hinterhof in der Schreinerstraße auf dem Ölberg zu finden. Dort war die Parkplatzsituation katastrophal. „Hier liegt unser Betrieb gar nicht schlecht, ziemlich zentral", so Thomas Ottenbruch.

Auf die Frage, ob er oder einer der Mitarbeiter irgendeinen Bezug zum Quartier Südstadt hat, betont er letztlich (nur) den Firmenstandort. „Im Grunde sind wir wegen der Immobilie hier gelandet. Die untere Gewerbeeinheit haben wir vor zwei Jahren gekauft." Vorher hatte die Firma eine Zwischenstation am Hofkamp, in der Nähe des Polizeipräsidiums. „Jetzt ist es schöner", beteuert Thomas, „ich find es hier oben wirklich okay!"

Morgens um 7 Uhr treffen sich die insgesamt sieben Betriebsangehörigen - neben Thomas und Stefan drei Gesellen, ein Azubi und eine Bürokraft -, dann geht es aber auch schon wieder raus zu den Kunden. „Tja, wir kommen morgens aus allen Himmelsrichtungen", erzählt Thomas auf die Frage, ob einer der Mitarbeiter vielleicht in der Nähe wohnt. Aber nein, wirklich nah ist da nichts: Vohwinkel, Cronenberg, na ja: Luisenstraße, aber auch Schwelm!

„Zwei Stellplätze haben wir am Haus, ansonsten passt das eigentlich immer ganz gut, dass die Leute dann von hier selber zur Arbeit aufbrechen. Wenn die dann nach Hause kommen, machen wir quasi die Parkplätze wieder frei, weil wir dann auch Feierabend haben." Ein Zwischenstopp ohne größere Komplikationen, so scheint es. „Also, bis jetzt ist es hier immer nett geblieben. Ich glaube, die Leute mögen das, wenn so Gewerbefläche auch belebt ist. Und ein paar Kunden haben wir auch in der Umgebung. Ansonsten geht man natürlich mal beim Bäcker Brötchen holen oder wir essen hier um die Ecke 'ne Pommes. Das passt hier schon alles gut."

Fotos: Jörg Degenkolb-Degerli

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Jörg Degenkolb-Değerli – Autor, Moderator und Bühnenliterat. Mit eigenartigen Einzeilern und pointierter Poetry bewegt er sich meist im Spannungsfeld zwischen „schreiend komisch" und „bitterernst". Eben Texte für Zwerchfell, Herz, Hirn und das Quartier. Für uns unterwegs als Stadtteilschreiber der Südstadt und vom Hesselnberg.

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Veröffentlicht am 19.02.2021

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