*|Der Stadtteilschreiber besucht die Mitte

DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER STADT - AUF DEN SPUREN VON JULES VERNE

Östliche Länge: 7° 10′ 08,24″ | Nördliche Breite: 51° 15′ 02,97" - Die Koordinaten des geographischen Mittelpunkts von Wuppertal sind bekannt. Er liegt inmitten des Quartiers Hesselnberg und niemand interessiert sich für ihn. Dabei muss man im Gegensatz zu Professor Otto Lidenbrock in „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" nicht mal in einen Vulkankrater klettern, um ihn zu finden. Nicht mal einen SUV braucht man.

Im Gegenteil: Vom Fuße der Buschstraße, die eine Abzweigung der Bendahler Straße ist, kann man ziemlich unangestrengt den ansteigenden Weg Richtung Wald erlaufen. Spätestens beim Schild „Keine Wendemöglichkeit" wäre mit dem Auto sowieso Ende im Gelände (Obschon ich hinter vorgehaltener Hand sagen kann, dass das nur die Halbwahrheit ist). Oben angelangt, muss man dann selbst drauf kommen, ob der gepflasterte Kreis den Mittelpunkt darstellt. Kein Hinweis. Nichts.

Zwar hat man schnell das Ganze zusammengegoogelt und weiß jetzt, dass es wohl auch eine Informationstafel gibt/gab/geben soll, aber trotzdem: Wie unspektakulär ist das denn? Okay, würde man jetzt einen Gassenhauer über Wuppertal komponieren, würde der vermutlich nicht vom geographischen Mittelpunkt handeln. Aber ein BISSCHEN mehr Glamour hat der doch schon verdient. Ab und an war er wohl mal Teil von Stadtführungen, aber da ist noch Luft nach oben.

Denn wenn man das Glück hat, dass so ein Mittelpunkt neben dem Skulpturenpark und quasi mitten in der Natur zu finden ist (oder eben auch nicht), dann schreit das doch nach Touristenattraktion und Schnitzeljagd, nach Geocaching und GPS-Gedöne. Ich denke, ich werde ein Jour Fixe (offiziell!!) auf den Weg bringen, damit man hier mal tätig wird. Oberbürgermeister Andreas Mucke, Marketingmeister Martin Bang, Ausstellungsmeister Tony Cragg, ich. Vielleicht reicht ja für den Anfang eine Lichterkette; wenn man mit einer Kabeltrommel vom Skulpturenpark ... - ach, was weiß denn ich. Mich emotionalisiert das gerade stark, ich muss aufpassen, dass ich den Text jetzt nicht abbreche.

Keine Lichterketten, sondern grüne Pfeile machten kürzlich auf besondere Punkte in den Quartieren Hesselnberg und Südstadt aufmerksam. Das ist doch schon mal ein Anfang - und sollte beibehalten werden! Wer entscheidet denn hier, welchen Punkten man mal mehr Beachtung schenken sollte? Ich. Also wir. Die Bevölkerung. Apropos: Im Rahmen meiner knallharten Recherchen habe ich neulich gelernt: Im Alter zwischen 16 und 60 Jahren gehören wir zur „trinkfähigen Bevölkerung"! Aber das nur am Rande.

Neue Mittelpunkte bestimmen, das ist das Ding. Alltagsmittelpunkte. Lebensmittelpunkte. Am besten gekennzeichnet durch einen grünen Pfeil. Bei Jules Verne würde Professor Otto Lidenbrock dazu sicher durch ein Wurmloch und unsere Atmosphäre, also quasi direkt über die Einstein-Rosen-Brücke solche Punkte ansteuern. Haben wir auch gemacht - allerdings von der „börse" aus im Kleinwagen (CO2!). Und? Der Kiosk an der Ecke Hesselnberg/Haspeler Schulstraße ist jetzt im Boot. Und die Gaststätte Schlupp an der Ecke Weststraße/Brüningstraße ist auch mit im Boot. Hier wird ab sofort die Stadtteilschreiberei hingehängt, ausgehängt, drüber tapeziert - als Infoträger und Impulsgeber, zum lesen, lamentieren und austauschen. Und das ist erst der Anfang ...

 

 

Fotos: Jörg Degenkolb-Degerli

+++ Projekt-Ticker +++ ... und noch ein Projekt findet gerade seinen Anfang: Unter dem momentanen Arbeitstitel „Erzählsalon" lädt Stadtteilschreiber Jörg Degenkolb-Degerli am 11. Dezember im Rahmen des Forums Hesselnberg-Südstadt Menschen aus diesen beiden Stadtvierteln dazu ein, aus ihrem Leben zu erzählen. Solche (Lebens-)Geschichten aus dem Quartier können von besonderen Lebensereignissen oder Alltagserlebnissen handeln. Das Besondere an diesem Talkshow-Format: Die Erzählform ist völlig variabel, von freiem Talk über Prosa und Poesie bis zu Gesangseinlagen. Der erste Abend widmet sich dem Thema „Alte Heimat - neue Heimat?" +++

+++ Projekt-Ticker +++ Der Menschenrechte-Chor probt jeden Montag ab 19:30 Uhr in der „börse" für das neue Programm, das voraussichtlich im Dezember Premiere feiern wird. Zusätzlich finden auch Wochenend-Workshops statt: Am 20.+21.9., außerdem am 30.11.+1.12. jeweils von 14 bis 19 Uhr (Anmeldung nötig!). Unter der Leitung der Wuppertaler Sängerin und Komponistin Anna Luca Mohrhenn erarbeitet der Chor musikalische Arrangements zu den Menschenrechtsartikeln sowie Civil Rights Songs und andere, thematisch passende Stücke. Ihr seid interessiert? Dann kommt einfach vorbei oder schickt eine E-Mail mit eurem Namen und eventuell eurer Stimmlage an: menschenrechtechor@dieboerse-wtal.de. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Am 25.9. startet in der „börse" die Reihe "die börse 4 future" mit drei Klima-Kino-Vorführungen und zwei Vorträgen. Den Anfang macht am Mittwoch, 25. September, Taste the Waste, der Film von Regisseur Valentin Thurn über Lebensmittelverschwendung beziehungsweise Lebensmittelvernichtung im großen Stil. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Am 16. Oktober sitzt ab 17 Uhr wieder das Forum Hesselnberg-Südstadt in der „börse" zusammen. Einmal im Monat treffen sich hier Interessierte, um sich mit den Nachbarn über Tops und Flops, Bedarfe und Ideen im und für das eigene Viertel auszutauschen, quartierbezogene Projekte zu planen und gemeinsam umzusetzen. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Der nächste und damit (vorerst) vorletzte Global Music Club findet am 20. Oktober statt: Jammen, sich vernetzen, mehr über das deutsche Music Biz erfahren oder einfach nur gemeinsam die verbindende Sprache von Musik feiern. Mit modernem Reggae als Basis und Elementen aus Dancehall, R'n'B, Soul und afrikanischer Folklore zeigt die Band Lan Netty & the MMA, was in Sachen Reggae alles geht. +++

+++ Projekt-Ticker +++ Als Beitrag zu einer Aktion des )) freien netz werk )) KULTUR hat die börse Stolpersteine in der Südstadt poliert - mehr dazu hier. Und auf der fff Demo am 20.9.2019 waren wir auch!

Euch fällt was Berichtenswertes ein? Dann eine E-Mail an stadtteilschreiber@dieboerse-wtal.de!

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Veröffentlicht am 20.09.2019

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