Blog Stadtteilschreiber

Der Stadteilschreiber, die Straßennamen, Sophia Hose und das Oktogon

WEITER GEHT'S, GEWÜRM! UND ZWAR ACHTKANTIG!

Sonne hin oder her - man muss auch mal den Grill ausglühen lassen und wieder raus aus der Sommerpause. Den Bart stutzen. Ein Computer-Update machen. Den vorderen Ausgang am Haus nehmen.

Wer entscheidet eigentlich über Straßennamen? Kann ich euch sagen: Die Bezirksvertretungen machen das. Ich hab mich das kürzlich gefragt, als ich in einer Gegend unterwegs war, in der man durch die Flensburger, die Holsteiner, die Schleswiger und auch Kieler Straße spazieren kann. Warum gebündelt und warum dort? Das wiederum weiß ich nicht.

Nachvollziehbarer ist da schon die Benennung der Straßen auf dem Ölberg, von jeher Arbeiterviertel mit Handwerkernamen: Schreiner, Hufschmied und Sattler, Wirker, Schneider und Schuster. Dazu gesellen sich Gertrude und Charlotte, Dorothee und Hedwig - hm -, und spätestens bei einer Straße namens Hombüchel steigt man dann auch schon wieder nicht mehr durch.

Tierisch geht es in Wuppertal an unterschiedlichen Orten zu. Findet man auf dem Nützenberg zum Beispiel den Bussard-, Eulen-, Habicht- und Rabenweg, trifft man am Hesselnberg (der sich wohl von Hasenberg ableitet) auf Biber, Gemsen, Iltis, Hirsch und Reh. Vor einigen Jahrzehnten, als ich weder reich noch berühmt gewesen bin, stellte ich mir die Frage, warum man eine deutsche Stadt auf Englisch und nach Würmern benennt: Worms.

Aber Forschergeist, der ich nun mal bin, war auch eines der letzten Rätsel für mich bald gelöst, fand ich doch heraus, dass es sich bei Worms lediglich um den Namen eines kleinen rheinland-pfälzischen Städtchens handelt, das eines der ältesten, wenn nicht sogar DAS älteste Städtchen Deutschlands ist und dessen Namen die Eingeborenen wohl Woms aussprechen. Schlagen wir nun eine Brücke in die Wuppertaler Südstadt.

Hier findet sich neben Woms nämlich auch Meenz wieder. Die Wormser und Mainzer Straße bilden ein gar nicht mal so kleines Karree, an dessen östliches Ende sich der Klophaus-Park anschließt. Und jetzt kommt noch die sonst eher unübliche Kombination Köln-Düsseldorf ins Spiel. Im Klophaus-Park steht nämlich die Universitätsgalerie Oktogon, ein kleines achteckiges Gebäude, das dem Künstmäzen Ludwig Freiherr von Lilienthal mit der Erbauung um 1870 als Teehaus diente.

Die Kölnerin Sophia Hose studiert in Düsseldorf. Das geht. Nach Stationen in Dresden und Porto studiert sie seit 2018 an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Franka Hörnschemeyer. Und aktuell stellt sie im Oktogon aus. Im Infotext heißt es: „Wiederkehrende Fragestellungen in ihren Arbeiten lauten: Was macht einen Ort aus? Wie ist es möglich einen Ort, seine Idee, seine Atmosphäre zu transportieren, ohne ihn zu kopieren und zu wiederholen? Wie entsteht dieser Raum?" Hinsichtlich des wunderbaren Ausblicks aus den südwestlichen Fenstern über die Dächer Elberfelds verwundert der Ausstellungstitel PANORAMA PARK da nicht.

Während im Oktogon-Untergeschoss Videoinstallationen flimmern, greifen darüber Glas- und Holzelemente die Idee und Atmosphäre des Ortes an der Wormser Straße 55 auf. „Eine Arbeit, die sich mit der Architektur hier beschäftigt", wie Sophia Hose erzählt. Noch an vier Tagen bis Dezember kann die Ausstellung besucht werden; weitere Infos - auch zur Galerie - findet man auf oktogon-wuppertal.de.

Vom Abstrakten zum Konkreten: Lange schon fragte ich mich, was es mit der Straße Am Schnapsstüber auf sich hat. Laut Wikipedia geht „die Ortsbezeichnung auf eine alte Gastwirtschaft zurück, in der die Kohlentreiber, die im 17. bis zum 19. Jahrhundert den Brennstoff auf Kohlenwegen aus dem Ruhrgebiet nach Elberfeld transportierten, einkehrten und für einen Stüber pro Glas Schnaps tranken." (Der Stüber war eine Kleingroschenmünze)

Da ist die unmittelbare Nähe der guten alten Südstadt-Gaststätte Schlupp zur Hopfen-, Malz- und Gerstenstraße ja gleich noch schlüssiger.

 

Fotos: Noël Değerli

 

 +++Projekt-Ticker+++ Unter dem Motto „Der Aufstand ist eine Kunst & braucht Musik" findet am 25. September 2020 um 18 Uhr im Rahmen des Engelsjahres in der börse ein Bandfestival statt. Bei dem Musikwettstreit interpretieren die Bands historische Lieder des Widerstands neu, die aus der Zeit stammen, als auch in Elberfeld die Barrikaden brannten. Oder sie spielen eigene Songs zum Thema. Das Publikum bestimmt, wer gewinnt. Vorverkauf über wuppertal-live.de. +++Projekt-Ticker+++

+++Projekt-Ticker+++ Seit August läuft die Veranstaltungsreihe „Fight Against Rasim - Wir für eine Gesellschaft ohne Rassismus, Hass, Gewalt und Nationalismus.", die die börse mit verschiedenen Initiativen und Vereinen durchführt. Am 01.10. findet um 19 Uhr der Online-Workshop „Was tun bei Hass und Hetze in Sozialen Netzwerken?" mit der Chefredakteurin und Rechtsextremismusexpertin online von www.belltower.news Simone Rafael statt. Im Workshop wird es darum gehen, gut zu argumentieren und sich gut positionieren können. Die Veranstaltung wird mithilfe der Plattform „ZOOM" durchgeführt. Eine Anmeldung unter fightracism@fbf-bl.de ist erforderlich. +++Projekt-Ticker+++

 Das Projekt "Stadtteilschreiber" wird

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Veröffentlicht am 22.09.2020

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