*|Notrollen-Challenge: Ulrike Mös

Ulrike Mös

Klorollen-Püppchen

Die acht „Klorollen-Puppen" werden in einer „Kiste" aus recycelten Obstkisten geliefert, mit Füllmaterial für einen sicheren Transport aus der Umverpackung der Klopapierrollen und altem Zeitungspapier.

Aus  dem Statement von Ulrike Mös zur Arbeit:

Klopapier-Hamsterkäufe als Herausforderung bedeutet „Jammern auf hohem Niveau". Das habe ich versucht in einem Ranking von „Klorollen-Püppchen" aufzuzeigen. Dazu habe ich unterschiedlich starken Klopapierrollen, die Macht- und Ressourcenunterschiede sowohl zwischen Nationen als auch zwischen Mann und Frau verdeutlichen sollen, als „Trachtenpüppchen" abstrahiert und ausstaffiert. Für eine Hierarchisierung habe ich Klopapierrollen ab- und die Blätterlagen auf andere aufgewickelt. Lediglich die „indische" Frau hat kein „Blatt" mehr abbekommen.

 

Hier das gesamte Statement von Ulrike Mös zur Arbeit:

Notrollen-Ranking


Mein Beitrag zur Notrollen-Challenge als Solidarpakt zur Po-Papier-Kunst hat darüber hinaus den Anspruch, auf die globale Ungleichheit hinzuweisen.

Nicht nur Macht, auch sozio-ökologische Fehlentwicklungen, entziehen der Menschheit ihre Grundlage. Sie haben sich in Jahrhunderte und Jahrtausende potenziert und Untergangsvisionen ins Reale verkehrt.

Als globale Schieflage sind durch Imperialismus und Kolonialismus historisch patriarchalischen Machtverhältnissen und einem Mensch und Natur ausbeutenden Kapitalismus (https://data.oecd.org) gewachsen. Wachsenden ökologischen Bedrohungen und globale Ungleichheit der Klassenverhältnisse, Flüchtlingsbewegungen und Klimawandel verschärfen aber Not. Die Hälfte der Menschheit sind Frauen die nicht die Hälfte der Ressourcen besitzen. Weltweit sind sie mit ihren Kindern besonders von Armut und Not betroffen (https://data.oecd.org/earnwage/gender-wage-gap.htm#indicator-chart).

Dabei ist in den modernen, scheinbar aufgeklärten westlichen Industriegesellschaften das asymmetrisches Machtgefälle der Geschlechter ebenso wie das der Klassen, weit davon entfernt fair und damit nachhaltig zu sein. Es gibt aber keine Anspruchsberechtigung auf Rassismus, Sexismus, Frauenfeindlichkeit. Die dringende Bewältigung der globalen Problemlagen erfordert Balance und damit Verteilungsgerechtigkeit, also Ausgleich. Der muss sowohl global als auch geschlechtergerecht hergestellt und der Wiederholungszwang in der Geschichte, mit Reproduktion patriarchalischer Strukturen, außer Kraft gesetzt werden, um ein soziales Organisationsprinzip zu finden.

Die Zeit des ökologischen Wandels erfordert den nächsten evolutionären Sprung der Menschheit, vergleichbar dem Sprung vom darwinschen Naturgesetzt des Überleben des Stärkeren hin zu einer Menschlichkeit, wie sie die UN in den Menschenrechten formuliert hat (https://www.menschenrechtserklaerung.de). Die Verantwortung von Fürsorge, über Familie und Clan auf Nationen ausgeweitet, muss auf alle Menschen global ausgeweitet werden, Fragen der Ethik und der Gerichtsbarkeit geklärt und Privilegien abgebaut werden, mit Friedfertigkeit als Pflicht. Der soziale Friede ist neben der ökologischen Ausgewogenheit eine Prämisse unser aller Überleben. Die Kraft der Frauen ist dabei nicht zu unterschätzen, denn die Hälfte der Menschheit ist weiblich.

Die aktuelle Corona Krise verstärkt nicht nur Notlagen, sie macht sie auch sichtbar. Klopapier-Hamsterkäufe als Herausforderung bedeutet „Jammern auf hohem Niveau". Das habe ich versucht in einem Ranking von „Klorollen-Püppchen" aufzuzeigen. Dazu habe ich unterschiedlich starken Klopapierrollen, die Macht- und Ressourcenunterschiede sowohl zwischen Nationen als auch zwischen Mann und Frau verdeutlichen sollen, als „Trachtenpüppchen" abstrahiert und ausstaffiert. Für eine Hierarchisierung habe ich Klopapierrollen ab- und die Blätterlagen auf andere aufgewickelt. Lediglich die „indische" Frau hat kein „Blatt" mehr abbekommen. Eine ein-Kinder-Politik hat dazu geführt, dass gezielt Mädchen abgetrieben oder getötet wurden und heute junge Frauen verkauft oder geraubt und Vergewaltigungen ungeahndete zur Normalität gehören, verstärkt von einem kolonialen Rassismus und dem diskriminierenden Kastensystem.


Die acht „Klorollen-Puppen" werden in einer „Kiste" aus recycelten Obstkisten geliefert, mit Füllmaterial für einen sicheren Transport aus der Umverpackung der Klopapierrollen und altem Zeitungspapier. Die Börse behält sich vor, noch eine Puppe herauszunehmen, um sie nach Ende der Krise auf einer Corona-Kunst-Party auszustellen.

Weitere Künstler

 

 

Siehe auch den Beitrag von Ulrike Mös zum Engels Essay Wettbewerb.

Und Ihren Text Zeit zum Nachdenken.

 

KUNST VS. CORONA

Während das Klopapier aus deutschen Supermärkten seit Wochen in unbekannten schwarzen Löchern verschwindet, stapeln sich die Pakete im börsen-Lager seit dem Shutdown. Höchste Zeit für solidarisches und kreatives Handeln! die börse rief in den vergangenen Wochen alle Künstler*innen Wuppertals auf, sich an der Wolkenburg ein Paket mit 8 Rollen Recycling Klopapier abzuholen, jede Rolle einzeln zu verpacken und diese Verpackung frei zu gestalten.

7 der 8 Rollen werden versteigert, die 8te Rolle jedes*r Künstler*in wird einbehalten und nach Ende der Krise auf einer Corona-Kunst-Party in der börse ausgestellt.

Die Einnahmen werden solidarisch aufgeteilt: 40% an den Solidaritätsfond für Kulturschaffende Wuppertals eintopfwuppertal.de, 40 % an die Künstler*in und 20 % an die börse.

Uns interessiert Ihre Meinung:
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Veröffentlicht am 09.07.2020

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