„Ich, Frau*“
Projektbeschreibung
Ich, Frau* war ein intergenerationales Kulturprojekt für Frauen* jeden Alters, das vom 01.06. bis zum 31.12. stattfand und in der börse umgesetzt wurde
Gefördert wurde das Projekt vom Fonds Kulturelle Bildung im Alter sowie vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW).
Im Mittelpunkt des Projekts standen die Sparten Theater, Literatur und Fotografie. Mithilfe dieser Ausdrucksformen setzten sich die Teilnehmer*innen gemeinsam mit Fragen rund um Geschlechterrollen auseinander: Wie haben sich weibliche Rollenbilder über Generationen hinweg verändert? Welche Erwartungen werden an Frauen* gestellt – und wie nehmen wir uns selbst wahr?
Von September bis Dezember traf sich die Gruppe jeden Dienstag in der börse. Geleitet wurde das Projekt von Anna-Lisa Konrad (Fotografin) und Mona Köhler (Theaterpädagogin BuT), die den Prozess künstlerisch und pädagogisch begleiteten.
Auf dieser Seite finden sich Einblicke in das Projekt, unter anderem Fotografien, Blogeinträge zu den einzelnen Projektphasen sowie Eindrücke von der Abschlusspräsentation. Die Seite dokumentiert einen offenen, kreativen Prozess, der von Austausch, Empowerment und gemeinsamer künstlerischer Arbeit geprägt war.
Eine sommerliche Vorbereitungsphase
In der Vorbereitungsphase von Juni bis Anfang September lag der Fokus auf der inhaltlichen und organisatorischen Planung des Projekts.
Die Projektleitung Anna Lisa Tuczek organisierte gemeinsam mit Mona Köhler und Anna-Lisa Konrad die Umsetzungsphase und deren thematischen Aufbau.
In mehreren Vorbereitungstreffen wurde intensiv darüber gesprochen, wie das Projekt strukturiert sein sollte und welche Themen im Mittelpunkt stehen. Schwerpunkte waren Selbstliebe, Empowerment, aufzuräumende Klischees, Porträtarbeit sowie der Austausch über persönliche Erfahrungen.
Aus diesen Gesprächen entstand ein detaillierter Workshopplan, der künstlerische Methoden aus Theater, Literatur und Fotografie miteinander verband. Parallel dazu begann die Öffentlichkeitsarbeit: Über Social Media wurde das Projekt beworben, außerdem wurden gezielt verschiedene Institutionen kontaktiert, um Teilnehmer*innen zu erreichen. Dazu gehörten unter anderem das Senior*innentheater Rauhreif, Angebote wie Körpertraining in der börse und weitere soziale Gruppen in Wuppertal und Umgebung.
Diese gute Vorarbeit zahlte sich aus: Am 02.09. konnte die Durchführung der Workshopphase mit einer vielfältigen Gruppe von Teilnehmer*innen in kreative Methodenvielfalt starten!
Ärmel hochgekrempelt und los geht’s!
Am 02.09. begann die Durchführungsphase in Form von Workshopeinheiten.
Von da an traf sich die Gruppe jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr in der börse. Zwischen 10 und 20 Teilnehmer*innen nahmen regelmäßig teil – in einem bewusst offenen Format, das Raum für neu hinzukommende Teilnehmer*innen ließ. Gerade diese Vielfalt machte den intergenerationalen Austausch besonders wertvoll.
Die Altersspanne der Gruppe reichte von etwa 11 bis rund 80 Jahren. Die Teilnehmer*innen kamen nicht nur aus Wuppertal, sondern auch aus Düsseldorf, Bochum und Münster. Unterschiedliche Lebensrealitäten, sexuelle Orientierungen und Identitäten waren vertreten, darunter auch eine trans* Frau, die am Ende des Projektes rückmeldete, dass sie sich noch nie so sehr als Frau wahrgenommen gefühlt hat, wie in diesem Projekt.
In den wöchentlichen Treffen wurde sich auf verschiedenste Weise den vorbereiteten Themen genähert – mit Schreibübungen, szenischen Improvisationen, Gesprächen und fotografischen Experimenten, wie z.B. Lichtmalerei (Lightpainting). Häufig wurde über die geplante Zeit hinaus gearbeitet, da der Gesprächsbedarf groß war und sich schnell ein vertrauensvoller Space entwickelte.
Das Projekt lebte vom persönlichen Austausch: Erfahrungen wurden geteilt, Perspektiven hinterfragt, neue Sichtweisen von Jung zu Alt und umgekehrt entdeckt. Über die kreative Arbeit hinaus entstanden Freund*innenschaften über Altersgrenzen hinweg. Die Treffen wurden regelmäßig auf Social Media dokumentiert und begleitet, sodass auch nach außen sichtbar wurde, wie lebendig der Prozess war.
Nach einer zweiwöchigen Pause in den Herbstferien begann die Gruppe, sich gezielt auf die Abschlusspräsentation vorzubereiten.
Und das Beste kommt zum Schluss!
In der letzten Phase des Projekts liefen alle Fäden zusammen:
Die Teilnehmer*innen arbeiteten intensiv an ihren Texten, Szenen und fotografischen Endergebnissen und probten gemeinsam für die große Abschlusspräsentation am 01.12.2025 in der börse.
Die Ergebnisse des Projekts wurden in einer offenen Präsentation gezeigt: Fotografische Porträts, Lightpainting-Bilder und installative Stationen luden die Besucher*innen dazu ein, sich mit den Themen des Projekts auseinanderzusetzen, aber auch selbst aktiv zu werden Das taten sie, indem sie eine Figur mit weiblichen Attributen beschrifteten und sich darüber unterhielten. Die Teilnehmer*innen wurden am Präsentationstag selbst zu Leiter*innen und kamen dadurch direkt mit dem Publikum ins Gespräch.
Auf der Bühne wurden szenische Collagen präsentiert – bestehend aus selbstgeschriebenen Texten, Gruppentexten und Theater-Sequenzen. Zusätzlich wurde ein performativer Walk zu Catcalling gezeigt, der das Thema eindrucksvoll auf die Bühne.
Am Ende des Abends füllte der Stolz auf das gemeinsam Erreichte den Saal. Viele Teilnehmer*innen nahmen ihre Porträts als Erinnerung mit nach Hause. Eine WhatsApp-Gruppe wurde gegründet, und auch nach Projektende blieben viele in Kontakt.
Ich, Frau*. endete damit nicht nur als künstlerisches Projekt, sondern als nachhaltiger sozialer Raum, der Begegnungen ermöglicht, Perspektiven erweitert und Frauen* über Generationen hinweg miteinander verbunden hat.

