*|Kyrosch Alidusti - eingereicht am 30.5.2020

Friedrich Engels – Vorgestern, gestern, morgen?

Friedrich Engels – Braucht die Demokratie und die Linke heute eine ähnliche Persönlichkeit?

Friedrich Engels war eine herausragende Persönlichkeit, die breit aufgestellt war. Er kämpfte währende der Revolution von 1848/49 in Rastatt auf den Barrikaden, er war erfolgreicher Manager dazu Journalist, Autor und außerdem Parteifunktionär. Die heutige Linke und die heutigen Parteien, wären ohne ihn so nicht entstanden. Braucht die Demokratie und die Linke heute eine ähnliche Persönlichkeit oder passt dies nicht mehr zu ihr und der Zeit? Dies soll anhand der Person Friedrich Engels diskutiert werden.

Der gefeierte, unter dem Namen Banksy bekannte Street Art-Künstler und Diskurspirat kommentierte die Arbeit des britischen Kranken- und Pflegepersonals in der Corona- Pandemie mit einem Bild, das er im General Hospital, Paula Head, hinterließ. Darauf ist ein kleiner spielender Junge in Latzhosen zu sehen. Er spielt mit einer neuen Superheldinfigur, weshalb die bekannten Aktionfiguren Batman und Spiderman im Papierkorb gelandet sind. Stattdessen lässt der Kleine eine stilisierte Krankenschwester mit Mund- und Nasenschutz am ausgestreckten Arm fliegen. Dass sie die Flugeigenschaft besitzt, zeigt die Haltung der Figur. Wie der flugfähige Superman hat sie einen Arm nach vorne gestreckt und am Nacken befestigt flattert ein Umhang. Statt des S auf der Brust wie der Kryptonier hat sie dort ein rotes Kreuz, ihr Superheldinzeichen. Sie ist die Heldin unserer Zeit. Anders als Politiker*innen handelt die Rotkreuz-Heldin gegen das Supervirus Corona und weiß was sie tut. Bereits jetzt, da die Krise noch gar nicht vergangen ist, werden die Frauen, legen sie das Rotkreuz-Heldinkostum ab, in Rollen abgedrängt, die unzeitgemäß sind. Die Heldin bekommt als Lohn die Mehrfachbelastung zurück: Corona-Krise, Krankenhaus, Küche, Kind und Kegel.

Eine andere soziale Figur ist die des oder der Intellektuellen. Einst war die Anzahl dieser penetranten und mutigen Personen, die sich um der öffentlichen Angelegenheiten willen mit der eigenen Obrigkeit anlegten, begrenzt. Die Zahl wuchs mit der Gleichsetzung von Akademikern und Intellektuellen. Sie oder er ist jemand, der sich um Dinge kümmert, die ihn oder sie nichts angehen (Satre). Das können Diskurse um politische und/oder soziale Themen sein. Die Definition der Intellektuellen könnte auch auf einen Helden oder eine Heldin passen. Die Bereiche, in denen Intellektuelle und Helden auftreten unterscheiden sich, aber beide wagen sich aus der Deckung hervor, um der Allgemeinheit beizustehen.

Der Hacker als Whistleblower ist die neueste Aktualisierung des Intellektuellen im Westen. Nicht immer ist dies gefahrlos. In Ländern, in denen die Demokratie und die Bürgerrechte nicht gelten, sitzen Autor*innen, Journalist*innen, Künster*innen und Musiker*innen als Folge ihres Engagements auch schon mal im Gefängnis. „Wie Lassalle sagte, ist und bleibt es immer die revolutionärste Tat: »laut zu sagen, was ist«", lautet ein Postkartensatz Rosa Luxemburgs. Wie die Ingenieur*innen Spezialist*innen für Technik und Infrastruktur sind, sind deren Nachfolger*innen, die Informatiker*innen, Expert*innen für die digitale Infrastruktur und entsprechen damit dem praktische Intellektuell*innentyp 2.0. Zum Teil nehmen diese die notwendige Funktion auch schon wahr, etwa im Chaos Computer Club oder als Whistleblower. Die Namen, die sich damit verbinden, sind Assange (Physiker), Manning und Snowden (Informatiker).

Der Kaufmann Engels war beides. Im Hauptberuf war er Manager der Firmenniederlassung seines Vaters in Manchester. Aber zu „allem Überfluss konnte der Kerl auch noch schreiben." (Krätke) Freiberuflich arbeitete Engels als Journalist, Autor und Parteipolitiker, daneben war er Sponsor der sozialistischen Bewegung und seines Freundes Marx.

Der junge Friedrich wollte Abitur machen und studieren, aber sein Vater nahm ihn aus der Schule. Er sollte sein Nachfolger werden. Bevor sich Friedrich aber endgültig dazu durchringen konnte, machte er erste Schritte als Journalist unter anderem für den „Telegraph für Deutschland" („Briefe aus dem Wuppertal"), „Deutscher Courier" und die „Rheinische Zeitung". Für letztere verfasste er 1842 den Beitrag mit dem Namen „Die Lage der arbeitenden Klasse in England". In deren Kölner Redaktion traf er das erste Mal auf Karl Marx. Ein paar Jahre später, 1848/49, schrieb er mehrere Leitartikel für die Neue Rheinische Zeitung des Chefredakteurs Marx. Daneben veröffentlichte er auch Artikel in englische Zeitungen. Damit wollte er der englischen Leserschaft die sozialistische Bewegung der kontinentaleuropäischen Länder näherbringen. „Es wird deutlich, wie sehr sich Engels nun als organischer Intellektueller der europäischen kommunistischen Bewegungen versteht." (Brie, 2020)

Von welchem gegenwärtigem Denker könnte man heute sagen, er sei ein organischer Intellektueller unter dem gemeinsamen Dach der europäischen Union? Vielleicht war Stéphane Hessel der letzte, der aufgrund seiner politischen Biografie, er kämpfte für die Résistance, überlebte Buchenwald und arbeitet in der UN (Wikipedia), und seiner intellektuellen Ansichten einen gesamt-europäischen Diskurs anstoßen konnte.

Engels betrieb Feldforschung - als Kapitalist aber auch als Teilnehmer der Revolution von 1848/49. Im Juli 1849 schilderte er „Frau Marx" in einen Brief seine Teilnahme an den badischen Revolutionskämpfen. Das gemeinsame Werk von Marx und Engels profitierte erkennbar von Engels Erlebnissen und Lebenskenntnis. Marx sah das revolutionäre Engagement des Freundes, ganz Zeitungsmacher, als Legitimation dafür, um etwas über „diesen Ulk" veröffentlichen zu können. Engels war als Autor selbst in der Lage das Erlebte zu schildern, damals wie heute fehlt anderen dieses Vermögen oder das Sendungsbewusstsein, sie müssen dazu ermutigt werden.

Sein Vater hätte Friedrich mit einiger Sicherheit enterbt, hätte er den Namen des Autors der Briefe aus dem Wuppertal gekannt, mutmaßt Krätke. So blieb Friedrich unentdeckt und kehrte, um dem Schicksal der Emigration zu entgehen und seinen Freunden weiter helfen zu können, nach seinem Ausflug in die Revolution in das Familienunternehmen zurück.

Vielleicht ging es Engels aber auch nur wie Orwell. Dieser notierte, nachdem er 100 Jahre später in dem Manchester benachbarten Wigan Pier die Bergarbeiter studiert hatte: „Hier kommt man zu der wichtigen Tatsache, dass jede revolutionäre Ansicht einen Teil ihrer Kraft aus der geheimen Überzeugung gewinnt, dass nichts verändert werden kann."

Ein anderes, viel wichtigeres Beispiel fällt in die Frühphase der Zusammenarbeit. In England verbesserte Engels nicht nur sein schriftstellerisches Vermögen, sondern auch sein ökonomisches Wissen. Außerdem las er John Watts und kommt bei dessen Lektüre zu einem methodologischen Schluss. Engels schreibt darüber an Marx: „»Der Mensch« ist immer eine Spukgestalt, solange er nicht an dem empirischen Menschen seine Basis hat." Nach seinen Einsichten aus Manchester forderte Engels eine empirische ökonomische Perspektive für die Wissenschaft und erklärt die Entstehung der Klassengegensätze aus der Ökonomie. Engels hautnahe Kenntnisse der englischen Verhältnisse „stellen die Grundlage für seine strategischen Schlussfolgerungen für radikale Politik dar." (Brie, 2020) Dass einer jeden politische Intervention ein derart gründliches Studium vorangehen sollte, muss entsprechend die Forderung an PolitikerInnen und AutorInnen der Linken sein. Das auf dieser Basis entstandene Werk Die Lage der arbeitenden Klasse in England stellt nach Fülberth (2018) das „Spätwerk" des jungen Engels dar.

Marx war aus seiner philosophischen Lektüre zum gleichen Ergebnis gekommen und dennoch wertet Engels seine gewonnenen Erkenntnisse geringer als das Bücherwissen des Freundes. Dabei erkennt man im Vergleich, dass gerade die plastischen Schilderungen des Kapitalismus im Manifest den offenen Augen des Fabrikantensohns geschuldet sind. Im Vorwort zur Dialektik der Natur forderte er von WissenschaftlerInnen mehr Weltkenntnis, intellektuelle Breite und Charakter. Er trauert darin den Universalgelehrten nach. An ihnen bewundert Engels, dass sie neben ihren wissenschaftlichen Verdiensten auch in den tagespolitischen Auseinandersetzungen Position bezogen und für diese mit Wort und Schrift oder dem Degen, oder beidem eintraten. Engels hat bei Rastatt tatsächlich selbst bewaffnet gekämpft, sein metaphorischer Degen war jedoch die Parteiarbeit. Einer der bekanntesten Stiche von Karl Marx und Friedrich Engels war das Manifest der Kommunistischen Partei. Das „Manifest" gilt als Auftragsarbeit der beiden Autoren für den Bund der Kommunisten. Man kann die Entstehungsgeschichte aber auch als engagierte Intervention zweier Aktivisten interpretieren.

Engels bewegte sich auf allen Ebenen der Politik, von der Kreisbehörde bis hin zur Internationalen und auch das Intrigieren war ihm nicht fremd. Dass dahinter eine Menge Arbeit steckte, wird klar, wenn Engels berichtet, dass er eine Nacht mit Hausbesuchen verbrachte und „konterkarrierte", damit die Delegiertenwahlen nach seinem Plan abliefen. Als Ergebnis seiner nächtlichen Aktivität konnten Marx und er die deutschen Demokraten in Brüssel vertreten. Demokratie ist ein Machtprinzip. Ein demokratisches Verfahren, um des Verfahrens willen, fände nicht seine Zustimmung. Die Basisdemokratie darf nicht zur entleerten Routine verkommen, aber auch nicht unter den Maßstäben von Effektivität geopfert werden. Demokratisches Handeln ist Mittel zur Ermächtigung der bzw. des Einzelnen zum gemeinsamen Handeln (Birkner).

Engels erhielt einstimmig den Auftrag ein neues Glaubensbekenntnis für den „Bund der Gerechten", wie er damals noch hieß, einem Geheimbund, zu entwerfen. Dieser Text sollte nach einer Diskussion vor Ort nach London geschickt werden. Das Neue von dem Engels Marx im Oktober 1847 schreibt, war ein „neues kommunistisches Glaubensbekenntnis", der Diskussionskreis die Pariser „Kreisbehörde". Der Entwurf, von dem er Marx berichtete, ist die Schrift „Grundsätze des Kommunismus" von der viel in das Manifest einging. Aber auch diese Schrift war kein Selbstläufer, vielmehr bedurfte es eine Menge an Überzeugungsarbeit. Das verabschiedete, fertige Manifest hatte eine doppelte Funktion, denn die politischen Ansichten ihrer Verfasser waren innerhalb des Bundes erst seit wenigen Monaten mehrheitsfähig und die Position der Autoren noch nicht gefestigt (Marxhausen, 2007). Die Schrift musste somit nach innen als auch nach außen wirken. Damit war das Manifest nach der Umbenennung des „Bundes der Gerechten" in den „Bund der Kommunisten" und den neuen Statuten, auf deren Inhalt Engels eingewirkt haben soll, der dritte Teil einer Strategie des Vorstands den Bund neu aufzustellen.

Das Manifest kann als das Narrativ der Linken betrachtet werden. Die heutigen Bemühungen, eine Erzählung aus dem Diskurs der Linken heraus zu destillieren, steht der Entstehungsweise des Manifests diametral entgegen.

Georg Fülberth nennt Engels und Marx „Operative Intellektuelle". Sie fordern und verkörpern „die Einheit von Theorie und Praxis nicht nur in [ihrer] eigenen Person, sondern für die sozialistische Bewegung." Als solche seien sie schon mit dem Manifest der Kommunistischen Partei hervorgetreten. Bis 1964 habe diese Tradition des Intellektuellen Typs Bestand gehabt (Fülberth, 2018).

Die kommunistische Partei, von der im Manifest die Rede ist, lässt sich nicht als Partei heutiger Form verstehen. Während Koselleck auf die jüngere Bedeutung des Begriffs Partei verweist, der dem heutigen eher entspricht (Koselleck, 1989/2006), hebt Hobsbawm die ältere Variante hervor, die „eher eine Strömung der Anschauungsweisen oder Politik" (Hobsbawm, 1998) meint. Hierin steckt der emanzipatorische Kern, denn beide politische Formen können sich auf das Manifest der Kommunistischen Partei berufen. Dies ist insofern wichtig, als sich Linke in Wort und Schrift häufiger am Manifest als am Kapital orientieren.

Interessanterweise bespricht die Interventionistischen Linke „Organisation und Organisierung" als sich ergänzend und kommt damit dem Doppelcharakter des Parteibegriffs im Manifest nahe. Ein anderer Entwurf zeigt eine Präferenz für die „Kritik im Handgemenge" und eine Distanzierung zu anderen Arten der Kritik und der akademischen Linken, eine Abneigung, die Engels teilte. Wenn Kritik im Handgemenge das Lernen aus den Sozialen Umständen und in und aus den Kämpfen hieße, wäre dies im Engels Sinne.

Und zugleich war Engels der Wissenschaft, wenn auch nicht den zeitgenössischen wissenschaftlichen Ansichten, sehr zugetan. Er besuchte immer wieder Vorlesungen an verschiedenen Hochschulen. Gerade deshalb bestand er, wie etwa im Manifest, in der Auseinandersetzung mit den anderen sozialistischen Strömungen auf den eigenen „wissenschaftlichen" Sozialismus (Heyer, 2006). Ganz ähnlich ist auch die heutige Kritik. Um diese nachvollziehen zu können, gilt es zwei Dinge zu unterscheiden: Die Kritik an der wissenschaftlichen Methode und die Kritik an der Trägerschicht des akademischen Wissens, das hochtrabend Bildung genannt wird. Zumal da die Universitätsabsolventen den ArbeiterInnen und AngestelltInnen am häufigsten als Beamt*innen, Vorgesetzt*e und in den freien Berufen entgegen treten - als vermeintliche Profiteure der Verhältnisse. Die vielen anderen, die in anderen Berufen abseits der akademischen Pfade arbeiten, fallen nicht ins Auge.

Zudem kommt Wissenschaftlichkeit im Kleide der Objektivität Sachzwänge setzend daher, weshalb der Streit der Virologen in den Augen der Öffentlichkeit so entlarvend wirkt. Ähnlich geht es den Qualitätsmedien, die für sich im Gegensatz zu den Privaten in Anspruch nehmen, ausgewogen und neutral zu sein. In Krisenzeiten allerdings entscheiden sie sich erst einmal für die Staatsnähe und lösen sich erst im Verlauf der Krisen langsam. Genauso, wie sie der Wissenschaft vertrauen und sich erst distanzieren, wenn sich der Meinungsstrom ein anderes Flussbett gräbt. Manch berechtigte Kritik täuscht aber nicht darüber hinweg, dass nicht jede abweichende und abwegige Meinungsäußerung darum richtig ist. Um aber nicht erneut in die Falle des „darf doch mal gesagt werden" zu tappen, wie dies in der Vergangenheit der Fall war, muss es trennscharfe Kriterien dafür geben, was kritisch, was unrealistisch, undemokratisch und rassistisch ist. Die wissenschaftlichen Thesen und Methoden der Disziplinen und deren Grenzen müssen offensiv thematisiert werden, damit die Wissenschaftlichkeit keinen Schaden nimmt. Die Kritik ist deshalb so intensiv, da Journalismus und Wissenschaft weniger als unabhängig denn als Teilsysteme der Macht erscheinen. Die „Auffassung und Praxis von Bildung sind Teil einer unabgeschlossenen Emanzipationsgeschichte." (Bürgin, 2012)

Jede soziale Auseinandersetzung ist, „obwohl nicht auf einen Widerspruch reduzierbar, letztlich durch eine Hierarchie von Antagonismen gekennzeichnet". (IL) Die Erfolge der Frauenbewegung und die Aufarbeitung der gesellschaftlichen Veränderungen der 70er Jahre schlagen sich hier nieder. Eine neue politische Organisationsform, schreibt Martin Birkner, hat in der Zusammenarbeit mit sozialen Bewegungen darauf zu reagieren, dass deren Stärke von der individuellen Bereitschaft zum Engagement abhängt und sich dies in Zyklen ausdrücken kann. Zwischen zwei Hochs hat diese neue Organisation die erreichten Errungenschaften zu verteidigen und die Kontinuität zu gewährleisten, „sie miteinander in Bezug zu setzen." (Birkner)

Bei aller Pluralität haben Engels und Marx vorgemacht, dass es nicht um eine Kontinuität um jeden Preis geht und die sozialistischen Positionen zum einen feststehen und zum anderen immer wieder auf den Prüfstein gehören. Fasst man die Sozialistische Bewegung als Freiheitsbewegung, macht es Sinn, mit Hannah Arendt zwei Freiheiten zu unterscheiden und zusammen zudenken. Damit widerspricht man allerdings den Aussagen des Jungen Marx zur Pressefreiheit, die für ihn als pars pro toto der Freiheit steht. Ein Angriff auf eine Freiheitsnorm sei ein Angriff auf die Freiheit als Ganzes. (MEW Bd.1,76f.) Arendt, die von der Verwendungsweise auf die Bedeutung schließt, unterscheidet in ihrem Vortrag zwei Bedeutungen. Freiheiten „im Sinne von Bürgerrechten sind das Ergebnis von Befreiung, aber sie sind keineswegs der tatsächliche Inhalt von Freiheit, deren Wesenskern der Zugang zum öffentlichen Bereich und die Beteiligung an den Regierungsgeschäften sind." (Arendt, 2018)

In diesem Sinne war der Rastatter Engels eine Freiheitsheld und kämpfte sowohl für die Ausweitung der Rechte als auch für die Republik. Teilt man die Auffassung, dass es heute erneut um grundlegende Rechte, sowohl was Rückwärtsentwicklungen im nationalen Maßstab aber auch was soziale Rechte im globalen Maßstab angeht, werden Impulsgeber wie Engels wieder wichtig. Befinden wir uns erneut an einem Ausgangspunkt von Befreiungskämpfen oder geht es um eine Transformation in eine andere Gesellschaftsordnung?

Gleichwohl gab es in den letzten Jahren viele Interventionen. Es geht um Menschen, denen es in der Demokratie um die Demokratie als Ganzes geht, die Dieter Thomä „holistische Helden" nennt (Thomä, 2020).

Ein Intellektueller, dem es ums Ganze ging, war Stéphane Hessel, dessen Essay Empört Euch! politische Bewegungen in Griechenland, Spanien und Portugal inspirierte (Wikipedia). Die Helden der Überwindung wären diejenigen, die eine andere Ordnung anstreben. Immer im Angesicht von Konsequenzen.

Derzeit findet man die eingreifenden Intellektuelle eher auf der konservativen und rechten Seite. Die Linke braucht wieder inspirierte und inspirierende Köpfe. Engels Forderung, dass diese ihre Erkenntnisse aus der sozialen Umwelt, dem Studium des empirischen Menschen und nicht nur aus der Sozialwissenschaft schöpfen sollten, macht gerade jetzt Sinn. Engels kann ein Vorbild dafür sein, sich immer wieder ein Kampffeld für das eigene Ziel, der Demokratie und dem Kommunismus zu suchen. Engels kann inspirieren, den Spirit muss jeder in sich selbst entfachen und erhalten. Zugleich muss die Linke feststellen, dass selbst Anlässe und Anstöße in der jüngeren Vergangenheit zu keinem Funkenschlag geführt haben.

Dennoch: bildet Banden, Bücherclubs und Bands.

 

 

 

 

 

 

 

Kyrosch Alidust ist 46, arbeitet als Sozialarbeiter in der Beratung von Flüchtlingen und liest und schreibt aus Spaß aber nicht ohne Absichten.

 

 

 

Literatur:

- Hannah Arendt: Die Freiheit, frei zu sein. Aus dem amerikanischen Englisch von Andreas Wirthensohn, Mit einem Nachwort von Thomas Meyer, München 2018, Kindle-Version.

- Martin Birkner: Jenseits des post-autonomem Tellerrandes: Die Notwendigkeit einer neuen linken Organisierung.Subjektiver Bericht & Appell.
http://www.grundrisse.net/grundrisse36/notwendigkeit_linker_organisierung.htm) (Zugriff am 30.05.2020)

- Michael Brie: Sozialist werden. Friedrich Engels in Manchester und Barmen 1842-1845,Berlin 2020.

- Julika Bürgin: Oskar Negt, die soziologische Phantasie und das exemplarische Lernen in der Arbeiterbildung, in: Janek Niggemann (Hrsg.): Emanzipatorisch, sozialistisch,kritisch, links?
Zum Verhältnis von (politischer) Bildung und Befreiung, Berlin 2012.

- Georg Fülberth: Friedrich Engels, Köln 2018.

- Andreas Heyer: Die Utopie steht links! Rosa-Luxemburg-Stiftung
Texte 26,Berlin 2006.

- Eric Hobsbawm: Das Kommunistische Manifest, in: Eric Hobsbawm u.a.: Das Manifest – heute. 150 Jahre Kapitalismuskritik, Hamburg 1998.

- Interventionistische Linke: IL im Aufbruch - ein Zwischenstands-papier, 11. Oktober 2014 (https://interventionistische-linke.org/positionen/il-im-aufbruch-ein-zwischenstandspapier)(Zugriff am 30.05.2020)

- Reinhart Koselleck (1989): Sprachwandel und Ereignisgeschichte, in: Reinhart Koselleck: Begriffsgeschichten, Frankfurt a.M. 2006.

-Michael R. Krätke: Friedrich Engels. Der erste Marxist, in: Michael R. Krätke (Hrsg.): Friedrich Engels, oder: Wie ein Cotton-Lord den Marxismus erfand, Berlin 2020

- Thomas Marxhausen: Kommunistisches Manifest(Bearbeiteter) Vorabdruck eines HKWM-Stichwortes, in: UTOPIE kreativ, H. 201/202 (Juli/August 2007), S. 708-723.

- George Orwell: Der Weg nach Wigan Pier. Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Manfred Papst, Kindle-Version, Zürich 2012.

- Dieter Thomä: Warum Demokratien Helden brauchen. Plödoyer für einen zeitgemäßen Heroismus, Sonderausgabe Bonn 2020.

 

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Veröffentlicht am 30.05.2020

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